| "Heiligste Dreifaltigkeit" Altdorf b.Nürnberg Zitate über Hast, Hektik, Hetze |
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| Hast ist die Scheuklappe des Menschen gegenüber den Dingen, auf die
es im Leben wirklich ankommt. Der Gelassene nutzt seine Chance besser als der
Getriebene. Gönne dir einen Augenblick der Ruhe und du begreifst, wie
närrisch du herumgehastet bist. Hektik weist auf ein krankes Gemüt. Hauptmerkmal eines
geordneten Verstandes ist Beharrungsvermögen und die Fähigkeit, mit sich selbst umgehen
zu können. Nichts kann gleichzeitig hastig und klug erledigt werden. Wir arbeiten rasch genug, wenn wir gut arbeiten. Die
Hummeln machen mehr Lärm und gebärden sich geschäftiger als die Bienen, aber sie
erzeugen weder Wachs noch Honig. So arbeitet weder viel noch gut, wer sich überhastet. Obwohl ich immer in Eile bin, bin ich niemals in Hetze,
weil ich nur soviel Arbeit auf mich lade, wie ich ruhigen Herzens bewältigen kann. Zur Plage unsers Daseins trägt nicht wenig auch dieses
bei, dass stets die Zeit uns drängt, uns nicht zu Atem kommen lässt und hinter jedem her
ist. Das Lächerlichste vom Lächerlichen auf dieser Welt sind
mir die Leute, die es eilig haben, die nicht schnell genug essen und arbeiten können.
Was
richten sie aus, diese ewig Hastenden? Ergeht es ihnen nicht wie jener Frau, die aus ihrem
brennende Haus in der Verwirrung die Feuerzange rettete. Man schämt sich jetzt schon der Ruhe; das lange Nachsinnen
macht beinahe Gewissenbisse. Man denkt mit der Uhr in der Hand, wie man zu
Mittag isst,
das Auge auf das Börsenblatt gerichtet - man lebt wie einer, der fortwährend etwas
"versäumen könnte". Der rastlose Arbeitsmensch von heute hat tagsüber keine
Zeit, sich Gedanken zu machen - und abends ist er zu müde dazu. Alles in allem hält er
das für Glück. Der größte Fehler dieses Zeitalters ist es, dass alle
Menschen so hektisch und so aktiv geworden sind. Wer keine Ruhe hat, kann nicht das Wesen
der Dinge erfahren. Der Furchtmensch ist scheu und unruhig. Seine hastigen, an
Störung gewöhnten Freuden sind kurz. Deshalb braucht er Abwechslung. Der Reichtum seines
Lebens ist nicht Tiefe sondern Mannigfaltigkeit. Der moderne Mensch wird in einem Tätigkeitstaumel
gehalten, damit er nicht zum Nachdenken über den Sinn seines Lebens und der Welt kommt. Was ist es, das den Menschen heutzutage so jämmerlich
klagen lässt, er sei gehetzt; was hetzt ihn eigentlich? Er kann nichts tun, ja, er kann
nicht einmal nichts tun, ohne nach irgendeinem Nutzen zu schielen. Man muss leben, als hätte man hundertfünfzig Jahre Zeit.
Hast ist der Feind des Lebens. Man muss sich fragen, was der heutigen Menschheit
größeren Schaden an ihrer Seele zufügt: die verblendende Geldgier oder die
zermürbende
Hast.
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