| |
Die Zehn Gebote, auch Dekalog (von griechisch de?a deka = zehn +
?o?o? logos = Wort), werden von Gläubigen als Forderungen Gottes an die
Lebensweise des Menschen angesehen und haben im Judentum und Christentum eine zentrale
Bedeutung für die religiöse Ethik.
Katechetische
Überlieferung
1. Ich bin der Herr, Dein Gott. Du
sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Gedenke, dass Du den Sabbat heiligst.
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht morden.
6. Du sollst nicht die Ehe brechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst kein falschen Zeugnis geben über Deinen Nächsten.
9. Du sollst nicht die Frau Deines Nächsten begehren.
10. Du sollst nicht das Hab und Gut Deines Nächsten begehren.
Biblische Quellen

Die Zehn Gebote sind zweifach im Alten Testament
(Exodus 20,2-17, vermutlich die jüngere Fassung und Deuteronomium 5,6-21, vermutlich
die ältere Fassung) überliefert und gelten gläubigen Menschen als direkte
Niederschrift Gottes (Ex 31,18) auf den zwei Gesetzestafeln bzw. als ein Diktat Gottes an
Mose: "Nachdem der Herr zu Mose auf dem Berg Sinai alles gesagt hatte, übergab er
ihm die beiden Tafeln der Bundesurkunde, steinerne Tafeln, auf die der Finger
Gottes geschrieben hatte."
In allen abrahamitischen Religionen (Religionen, die
sich auf Abraham als ihren Stammvater berufen - Judentum, Christentum, Islam) haben die ersten 3 Gebote eine zentrale Bedeutung. Sie
legen den Einen Gott, der mit Abraham den Bund einging, als zentralen
Glaubensinhalt fest. Auch außerhalb der christlichen Kirchen werden die zehn Gebote in
Europa häufig als "ethisches Minimum"
begriffen, wobei diese Einordnung eher an die auf den Mitmenschen bezogenen Gebote
der rechten Tafel (ab 4. Gebot)
anknüpft als an die Gebote der linken Tafel mit ihrem speziellen Gottesbezug.
Eine größere Rolle im Christentum spielt das Doppelgebot von Gottesliebe und
Nächstenliebe (Matthäus 22, 35-40): "Einer von Ihnen ein Gesetzeslehrer, wollte
ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister welches Gebot im Gesetz ist das
wichtigste? Er [Jesus] antwortete ihm: Du sollst den Herrn,
deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all deinen Gedanken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen
beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten." Es wird von einigen als Kurzfassung
der Zehn Gebote verstanden: Gebote 1 bis 3 fordern zur Gottesliebe auf, Gebote 4 bis
10 zur Nächstenliebe.
Bei der Nummerierung der Gebote gibt es unterschiedliche
Traditionen. Die Zählweise der jüdischen Tora behandelt die Selbstvorstellung Gottes als
eigenständiges erstes Gebot. Die Zählweise (A) der orthodoxen und reformierten Kirche
trennt Monotheismusgebot und Bildverbot.. Die Zählweise (B) der
katholischen und lutherischen Kirche unterscheidet dagegen zwei Neidgebote. Das
pfingstliche, charismatische, evangelikale oder freikirchliche Christentum tendiert dazu,
die Zehn Gebote komplett so zu übernehmen wie sie überliefert wurden, d.h. ohne die
biblische Übermittlung zu kürzen.
| Tora |
A |
B |
Text |
| 1. |
|
|
Ich bin der HERR, dein Gott, der ich
dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe. (Ex 20,2 und Dtn 5,6) |
| 2. |
1. |
1. |
Du sollst keine anderen Götter neben
mir haben. (Ex 20,3)
Du sollst keine andern Götter haben vor mir. (Dtn 5,7) |
| 2. |
2. |
1. |
Du sollst dir kein Bildnis noch
irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf
Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen
nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter
Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen; und tue
Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieb haben und meine Gebote halten. (Ex
20,4-6 und Dtn 5,8-10) |
| 3. |
3. |
2. |
Du sollst den Namen des HERRN, deines
Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen
Namen missbraucht. (Ex 20,7 und Dtn 5,11) |
| 4. |
4. |
3. |
Gedenke des Sabbattags, dass Du ihn
heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken, aber am
siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun noch
dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch dein
Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde
gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum
segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. (Ex 20,8-11)
Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott,
geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten
Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun noch dein Sohn
noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Ochse noch dein Esel noch
all dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist, auf dass dein Knecht und deine
Magd ruhe wie du. Denn du sollst gedenken, dass du auch Knecht in Ägyptenland warst und
der HERR, dein Gott, dich von dort ausgeführt hat mit einer mächtigen Hand und mit
ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten
sollst. (Dtn 5,12-15) |
| 5. |
5. |
4. |
Du sollst deinen Vater und deine
Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, dass dir der HERR, dein Gott,
gibt. (Ex 20,12)
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der HERR, dein Gott, geboten
hat, auf dass du lange lebest und dass dir's wohl gehe in dem Lande, das dir der HERR,
dein Gott, geben wird. (Dtn 5,16) |
| 6. |
6. |
5. |
Du sollst nicht töten (morden).
(Ex 20,13) |
| 7. |
7. |
6. |
Du sollst nicht ehebrechen. (Ex
20,14 und Dtn 5,17) |
| 8. |
8. |
7. |
Du sollst nicht stehlen. (Ex
20,15 und Dtn 5,17) |
| 9. |
9. |
8. |
Du sollst kein falsch Zeugnis reden
wider deinen Nächsten. (Ex 20,16 und Dtn 5,17) |
| 10. |
10. |
9. |
Lass dich nicht gelüsten deines
Nächsten Hauses. (Ex 20,17a)
Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes. (Dtn 5,18a) |
| 10. |
10. |
10. |
Lass dich nicht gelüsten deines
Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch
seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat. (Ex 20,17b)
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochsen, Esel noch
alles, was sein ist. (Dtn 5,18b) |

Versuch einer Neuinterpretation für unsere Zeit
- Du sollst dir die Sehnsucht nach Sinn nicht ausreden lassen.
- Du sollst die Zukunft der Menschen und anderer Lebewesen
nicht versteinern.
- Du sollst dir ein würdiges Schweigen vorbehalten.
- Du sollst die Schöpfung nicht zur Ressource degradieren
- Du sollst die Verhältnisse zwischen den Alten und den
Jungen nicht vergiften.
- Dus sollst "das Leben" nicht von der personalen
Gestalt lösen, um es zu manipulieren.
- Du sollst die Menschen, die du liebst, nicht vernützlichen.
- Du sollst Ungerechtigkeit nicht als unvermeidbar hinnehmen.
- Du sollst nicht vergessen, dich zu erinnern.
- Du sollst nicht übersehen, dass es der Verzicht ist, der
Freiheit ermöglicht.
Zitate über die Zehn Gebote
Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch
gebiete, und sollt auch nichts davon tun, dass ihr bewahrt die Gebote des
Herrn, eures Gottes.
Bibel, Altes Testament, Buch Deuteronomium 4,2
Gott hat auf die Gesetzestafeln das geschrieben,
was die
Menschen nicht in ihrem Herzen lasen.
Aurelius Augustinus ( 354-430), Bischof von Hippo
in Nordafrika, Philosoph, Kirchenvater, Heiliger
Wie die Liebe zwei Gebote umfasst, auf
die der Herr das ganze Gesetz und die Propheten bezieht... So sind die zehn
Gebote auf zwei Tafeln verteilt. Drei waren auf die eine Tafel und
sieben auf die andere geschrieben.
Aurelius Augustinus ( 354-430), Bischof von Hippo
in Nordafrika, Philosoph, Kirchenvater, Heiliger
Warum hält und lehrt man denn die Zehn
Gebote? Antwort: Darum, dass die natürlichen Gesetze nirgends so fein und
ordentlich sind verfasset als von Mose.
Martin Luther (1483-1546), deutscher Reformator
Ein Volk, das die zehn Gebote nicht achtet, ist ein
verlorenes Volk.
Theodore Roosevelt (1858-1919), US-amerikanischer
Politiker, 26. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Friedensnobelpreis 1906
Die Knappheit der Zehn Gebote ist nicht ein Beweis für die
Düsterkeit und Enge einer Religion, sondern, im Gegenteil, für ihre Liberalität und
Humanität. Es ist kürzer die verbotenen Dinge festzustellen, als die erlaubten.
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936),.englischer
Schriftsteller
Wenn die Menschen nicht durch die zehn Gebote regiert
werden, werden sie durch die zehntausend Gebote regiert.
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936),.englischer
Schriftsteller
Die Zehn Gebote Gottes sind deshalb so klar und eindeutig,
weil sie nicht erst auf einer Konferenz beschlossen wurden.
Konrad Adenauer (1876-1967), deutscher Politiker,
erster Bundeskanzler
Die Zehn Gebote, vervollständigt durch die evangelischen
Vorschriften von Gerechtigkeit und Nächstenliebe, bilden den Rahmen individuellen und
kollektiven Überlebens.
Johannes XXIII. (Angelo Giuseppe Roncalli
(1881-1963), italienischer Papst
Die
fundamentale Basis der Gesetze der Nation wurde durch Moses auf dem Berg
gegeben. Die fundamentale Basis der Bill of Rights [Amerikanische
Verfassung] kommt aus den Lehren die wir aus dem Buch Exodus und dem
Matthäusevangelium erhalten, von Jesaiah und den Hl. Paulus. Ich glaube,
dass wir dies heutzutage nicht genug betonen. Wenn wir wir kein richtigen
fundamentalen moralischen Hintergrund haben, werden wir schließlich mit
einer totalitären Regierung enden, die nicht and die Rechte für jeden glaubt
außer für den Staat!
Harry S. Truman (1884-1972), US-amerikanischer Politiker, Demokrat
Die Zehn Gebote sind deswegen so kurz und logisch, weil sie
ohne Mitwirkung von Juristen zustande gekommen sind.
Charles de Gaulle (1890-1970), französischer
Politiker, Staatspräsident
Das Vaterunser hat 56 Wörter, die Zehn Gebote haben 297.
Aber die Verordnung der EG-Kommission über den Import von Karamellen und
Karamellenprodukten zieht sich über 26.911 Wörter hin.
Alwin Münchmeyer (1908-1990), deutscher Unternehmer,
Bankier
Wenn Gott gewollt hätte, dass wir in einer permissiven
Gesellschaft leben, dann hätte er uns Zehn Empfehlungen gegeben und nicht Zehn Gebote.
Zig Ziglar (1926-), US-amerikanischer Autor und
Redner
Ethische Gebote in anderen Religionen
Der Koran bezieht sich in der 17. Sure
"Die nächtliche Reise/Die Kinder Israel" direkt auf die Zehn Gebote Mose:
"Wir gaben Moses die Schrift und machten sie zu einer Führung für die Kinder
Israels". Die Zehn Gebote selbst, in der äußeren Form des mosaischen Dekalogs,
spielen im Koran keine Rolle. Dennoch lassen sich für alle Zehn Gebote inhaltliche
Entsprechungen finden:
- Monotheismusgebot (3:89; 7:138; 17:22; 39:1-15; 112:2-4).
Ein explizites Bilderverbot gibt es nicht. Es wird aus dem häufig wiederholten Verbot der
Bilderverehrung abgeleitet.
- Namen Gottes nicht missbrauchen (11:18; 39:32; 39:60)
- Der Freitag ist kein arbeitsfreier Feiertag, sondern nur ein
Tag für ein gemeinsames Gebet. (62:9-11)
- Achtung der Kinder gegenüber ihren Eltern (6:151, 17:23,
29:8, 31:14, 46:15), aber auch Verantwortung der Eltern gegenüber ihren Kindern (6:15)
- Tötungsverbot, mit Ausnahmeregelung (6:151, 17:32, 25:68)
- Eheliche Treue (4:29; 5:38; 17,32)
- Nicht stehlen (4:29, 5:38)
- Nicht lügen (17:36; 24:4)
- (4:32)
- (113:5)
Die Zehnzahl findet sich aber in den Geboten der 17.
Sure wieder.
Die für alle praktizierenden Buddhisten
verbindlichen 5 Silas richten sich gegen Mord, Diebstahl, Ehebruch, Lüge und
Rauschmittel.
Quellen:
Moses empfängt die Gesetzestafeln
(Moses, der die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten ins Gelobte Land führte, auf dem
Berg Sinai) von Marc Chagall, russisch-französischer Maler (1887-1985)
Ausschnitt
aus dem mittelalterlichen Andachtsbuch Speculum humanae salvationis (Heilsspiegel)
Uriel Birnbaum "Gott gibt Moses die
Gesetzestafeln"
http://www.ojm.at/ausstellung/auditorium/uebersicht/bild27/
Katechismus der katholischen Kirche http://www.intratext.com/IXT/DEU0035/_P7E.HTM
Katechese zu den Zehn Geboten http://www.karl-leisner-jugend.de/10_Gebote.htm
Martin Luthers "Kleiner Katechismus" http://www.ekd.de/bekenntnisse/kleiner_katechismus_1.html
Reimer Gronemeyer: Eiszeit der Ethik. Die Zehn Gebote als Grenzpfähle für eine
humane Gesellschaft. Würzburg: Echter Verlag 2003
|