Steyler Missionar Pater Sigfried Weigel in Papua-Neuguinea
   

Ein in Leben als Missionar in Papua-Neuguinea
Pater Siegfried Weigel zu Gast in Altdorf

Am Sonntag, den 30. März 2014 war der Steyler Missionar Pater Siegfried Weigel SVD [Societas Verbi Divini, Gesellschaft des göttlichen Wortes] zu Gast in der Kath. Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit in Altdorf. Der aus Nürnberg stammende Weigel besuchte das Humanistische Gymnasium des Steyler Seminars in Ingolstadt, trat in das Missionshaus St. Gabriel in Mödling bei Wien ein, erwarb am St. Mary’s Collge in Techny bei Chicago den Bachelorabschluss in Theologie und wurde dort 1967 zum Priester geweiht. Im gleichen Jahr schickten ihn seine Ordensoberen in die Mission nach Papua Neuguinea, Älteren noch als ehemals deutsche Kolonie in Erinnerung. Dort arbeitete er 41 Jahre bis 2008, als er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt wurde. Er verstand sich nicht nur als Missionar, der den christlichen Glauben verkündete und seelsorgerisch tätig war, u.a. in der Jugend-, Krankenhaus- und Studentenseelsorge, sondern auch als Entwicklungshelfer, der vielfältige Entwicklungsprojekten etwa in den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft und Bildung durchführte und selbst mit Hand anlegte.

Pater Siegfried Weigel SVD

Pater Weigel erzählte mit eindrucksvollen Beispielen, wie die Ureinwohner von Papua Neuguinea in wenigen Jahrzehnten quasi im Zeitraffer vom Steinzeitleben als Jäger und Sammler über das Leben als Waldackerbauern bis hin zum zunehmend verstädterten Leben in den Küstenstädten übergegangen seien. Großeltern von Mitgliedern einer Pfarrei hätten das Holz für ihre Häuser noch mit Steinbeilen gearbeitet und auch heute noch würden beim Hausbau noch Lianen statt Eisennägel verwendet werden. Zur Viehzucht hätten die Papuas kaum  Zugang und hielten freilaufende Schweine und Hühner, vor größeren Tieren mit Hörnern hätten sie Angst.

Pater Weigel widersprach vehement dem naiven Bild von der paradiesischen Idylle, das manche Ethnologen vom Leben der Ureinwohner zeichneten, die unbefangen ein natürliches Leben genießen konnten. Tatsächlich seien die Stämme, die in einer kleingekammerten Landschaft abgeschnitten voneinander lebten und eigene Sprachen und Traditionen entwickelt hatten, untereinander verfeindet. Fremde galten als Eindringlinge und Feinde und es galt das Gesetz der Blutrache. Die christlichen Missionen trugen zu einer Befriedung der Stämme bei. Sie wirkten animistischen Ängsten vor dem bösen Wirken der Geister der Ahnen entgegen.

Bedeutend war aber auch die zivilisatorische Entwicklungsleistung der Missionare. In dem verkehrsmäßig kaum erschlossenen Land mussten große Entfernungen zu den Missionsstationen zurückgelegt werden. Zuletzt wirkte er in einer Pfarrei so groß wie das Saargebiet und Luxemburg zusammen. Er reiste dabei auf Motorbooten über Wasserläufe, mit der Gefahr von Krokodilen oder Treibholz und in Kleinflugzeugen deren Propeller und Motoren er auch schon mal selbst reparieren musste. Er arbeitete an der Ausbesserung von Straßen mit, die nach starken Regenfällen unpassierbar waren oder beschaffte Maschinen für den Straßenbau. In einem landwirtschaftlichen Projekt reparierte er Maschinen und Motoren. Für eine neue Pfarrei baute er Schule, Lehrerhäuser, Pfarrkirche, Pfarrhaus und Pfarrzentrum mit den dazugehörigen Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüssen. Da ihm auch an der Nutzung moderner Kommunikationsmittel gelegen war, ließ er sich auch als Radio- und Tontechniker ausbilden. In seinem Ruhestand unterstützt er Projekt zur Nutzung von Solarenergie und zur Ausbildung junger Menschen.

Pater Weigel ging auch kurz auf die Probleme Papua Neuguineas in der jüngeren Zeit ein, insbesondere die Verstädterung in den Küstengebieten, wo immer mehr Menschen ohne berufliche Perspektiven lebten. Zwei Drittel der Bevölkerung seien unter 18 Jahren. Internationale Konzerne würden Bodenschätze und Holz ausbeuten ohne dass die Bevölkerung davon profitiere. Die Kriminalitätsrate wachse, insbesondere Eigentumsdelikte und Prostitution. Korruption und Selbstbereicherung gefährdeten die demokratische Entwicklung. Er danke Gott für seine Gesundheit und den erfahrenen Schutz in all den Jahren – zweimal habe er kurz vor der Ermordung gestanden.
Besonderes Interesse fanden die Filmaufnahmen unter anderem von Fahrten zu den Missionsstationen und Feierlichkeiten anlässlich eines Bischofsbesuchs. Viele Tänzer und Musiker hatten noch die traditionelle Ganzköperbemalung und trugen Federschmuck. Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit Pater Weigel direkt Fragen zu seiner für unsere Verhältnisse sicherlich außergewöhnliche Arbeit zu stellen.

Der Erlös des Solidaritätsessens im Roncalli-Haus der kath. Pfarrgemeinde und der Kollekten aus den Gottesdiensten war für die Missionsarbeit der Mitbrüder von Pater Weigel bestimmt, zu denen er noch Kontakt hält. 


    

 
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© Dr. Martin Weimer, Altdorf b.Nürnberg