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Das Christentum
unterscheidet sieben Werke der Barmherzigkeit, die nicht ausschließlich zu
verstehen sind, sondern Beispiele für Hilfeleistungen benennen. Die Werke sind
bestimmt durch die Situation der Not Leidenden und Helfenden und sollen allgemein
menschliche und immer wiederkehrende existentielle Nöte beheben:
- Hungrige speisen
- Durstigen tränken
- Fremde beherbergen
- Nackte kleiden
- Kranke pflegen
- Gefangene besuchen
- Tote bestatten
Im Neuen Testament, Mt 25,34-46 spricht Jesus
vom künftigen Weltgericht: "Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner
Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist
von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen,
und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt micht gekleidet. Ich
bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid
zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir
dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und dir zu trinken
gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt
und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu
dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Was ihr getan habt
einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan."
Lactantius (3. Jh.) fügte als erster den sechs Werken als siebtes das Begraben der
Toten hinzu (nach Tob. 1,17).
Liest man zu Ende, was Jesus bei seinem ersten öffentlichen
Auftreten in der Synagoge von Nazareth aus dem Buch des Propheten Jesaja vorlas, dann wird
klar, daß es sozusagen unberechnet in der klassischen Aufzählung der Werke der
Barmherzigkeit schon immer ein "achtes Werk der Barmherzigkeit" gegeben
hat: Trauernde trösten.
Und auch ein neuntes Werke der Barmherzigkeit - Sterbende
begleiten - hat sich im Laufe der Kirchengeschichte immer mehr herausgeschält.
1434 schreibt der Wiener Burgpfarrer Thomas Peuntner in seinem Büchlein "Von der
Kunst des heilsamen Sterbens", der ältesten deutschsprachigen Sterbekunst der Wiener
Schule: "Es ist kein Werk der Barmherzigkeit größer, als daß dem kranken Menschen
in seinen letzten Nöten geistlich und sein Heil betreffend geholfen wird."
Der Wert der Werke der Barmherzigkeit gerade darin, dass die Gerechten nicht auf ihren
"Lohn" reflektiert haben und der Weltenrichter (Jesus) sich mit den
Notleidenden identifiziert.

Anleitung zum Tun
- Den Menschen achten
- Hinsehen
- Ansprechen und Zuhören
- Berühren
- Trösten
- Herberge gewähren
- Verantwortung übernehmen
- Zeit haben
- Dem Nächsten aus Überzeugung dienen
- Helfen lernen
Gebet
Lasst uns, solange es noch Zeit ist, Christus (=der Mensch
als Ebenbild Gottes) besuchen, Christus heilen, Christus nähren, Christus bekleiden,
Christus beherbergen, Christus ehren
Gregor von Nazianz
Quellen:
Reinhard Abeln, Anton Kner: Vierzehn Säulen hat die Liebe. Von den Werken der
Barmherzigkeit. Limburg: Lahn-Verlag 2002
Friedrich August von Metzsch: Menschen helfen Menschen. Der Barmherzige Samariter als
Leitbild und in der Kunst. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler-Verlag 1998
Sieger Köder http://www.atelier-sabine-mayer.de/shop/index.html?d__Werke_der_Barmherzigkeit229.htm
(von Walter Habdank gibt es Farbholzschnitte zum Thema)
Pierre Montallier, französischer Maler (1643-1697)
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