Weihnachtskonzert 2000
Abschiedskonzert von
Pfarrer Gerhard Senninger in der Pfarrkirche mit anschließender Feierstunde im
Roncalli-Haus
ALTDORF - Eine Glanzleistung bot Pfarrer Gerhard Senninger mit dem Roncalli-Chor beim
Weihnachtskonzert unter dem Motto "Heilige Nacht" mit dem er sich gleichzeitig
nach 31 Jahren als Chorleiter verabschiedete. Bei der anschließenden Feierstunde im
Roncalli-Haus wurden außer Pfarrer Gerhard Senninger noch weitere 15 langjährige
Chormitglieder geehrt: Seit 50 Jahren wirken im Kirchenchor und dem späteren
Roncalli-Chor mit: Ekkehard Grübl, Traudl Trost, Hermine Schöpe und Josef Welker. Die
Geehrten erhielten Ehrenurkunden mit Widmung des Eichstätter Oberhirten Walter Mixa und
des Domkapellmeisters Wolfram Menschick. Der Röthenbacher Viergesang gab dazu noch einen
humorvollen musikalisch-poetischen Rückblick auf die Freuden und Leiden des scheidenden
Dirigenten Pfarrer Gerhard Senninger und seiner Chormitglieder. Nachfolger von Pfarrer
Senninger wird der bisherige Vizechorleiter Ekkehard Grübl.
Ausgebucht waren die Sitzplätze der Dreifaltigkeitskirche am Sonntagabend.
Unter den Gästen war auch Bürgermeister Rainer Pohl. Stehend honorierten die Besucher
mit nicht enden wollenden Applaus die exzellenten Darbietungen, als sich die 40
Chormitglieder nach 90 Minuten festlichen Programm verabschiedeten. Mit dieser
musikalischen Brücke zum Weihnachtsfest boten die 21 Sopranstimmen, neun Alt- fünf
Tenor- und ebenso vielen Bassstimmen mit den Instrumentalisten eine gelungene und
stimmungsvolle Mischung von Gesang und Instrumentalmusik, die Herz und Gemüt bewegten.
Der musikalisch begnadete Chorleiter und ehemalige Stadtpfarrer Gerhard Senninger hatte
"seinen Roncalli-Chor", den er einstmals aus dem Kirchenchor auf- und ausbaute,
zu einer kulturellen "Säule" der Stadt Altdorf werden lassen. So wurde dieses
Konzert für den Geistlichen, der in Neumarkt seinen Ruhestand verbringt, letztlich die
Krönung mit "seinem" Chor. Mit dem Weihnachtskonzert bewiesen die Aufführenden
zu welchen erstaunlichen Leistungen sie durch ihren Chorleiter geführt wurden. Von diesem
hohem Niveau geprägt sangen und musizierten sich die Frauen, Männer und
Instrumentalisten mit einer breiten Palette bekannter klassischer Werke in die Herzen der
Zuhörer und übertrafen dabei alle Erwartungen.
Mit ausgereifter Tonkultur, sicherer
Stimmführung, deutlicher Artikulation und Rythmusgenauigkeit meisterten die Sängerinnen
und Sänger ebenso anspruchsvolle Werke, wie die Solisten Gabriele Neumann mit ihrer
Sopranstimme, Sigrid Retzler-Kessler im Mezzosopran und Ekkehard Grübl als Baritonist.
Mitwirkende Instrumentalisten auf der Chorempore, die seit Jahrzehnten mit dem Chor
verbunden sind waren, Tanja Beitelstein mit der Querflöte, Cord Brandes mit seiner
Violine und die Trompete zur Kür mit dem "O' du fröhliche..." blies Helmut
Enzenberger. Perfektion bot der Organist Dr. Konrad Göhl, der auf der Johannes Kleis
Orgel, mit Stücken von großen Meistern, wie Johann Sebastian Bach, Wilhelm Friedrich
Bach, Vincent Lübeck, Georg Philipp Telemann und Karl N. Schmid.
Zu Beginn der Veranstaltung sprach Stadtpfarrer
Walter Börschlein von einem "geistigen Gewinn" mit der der Roncalli Chor im
unermüdlichen Einsatz in der Kirchenmusik schon viele wunderbare und zu Herzen gehenden
Konzerte gestaltete. Mit einem "herzlichen Vergelts Gott" bedankte sich
Stadtpfarrer Börschlein bei seinem Amtsvorgänger Gerhard Senninger der den Chor 31
Jahren leitete.
Mit der unerschöpflichen musikalischen
Gestaltungskraft von Johann Sebastian Bachs Chromatischen Phantasie in d-Moll eröffnete
der Organist Dr. Konrad Göhl temperamentvoll und zugleich besinnlich den Konzertabend.
Den Jubel und die Freude über das Weihnachtsfest bekräftigte eine Lesung aus dem Buch
Jesaja und ein abschließendes Gebet, beide durch den Sprecher Karl-Heinz Gürthner. In
eine romantische Kulisse verzauberten den dunklen Kirchenraum die lodernden Kerzen am
Adventkranz, an den Altären und Seitenwänden sowie der Weihnachtsbaum.
In die Stimmung der aufbrechenden Freude hinein gab der unter dem großen
Adventkranz am Hochaltar postierte Chor eine imposante Überleitung mit dem lebendigen
Werk, der sechsstimmigen Motette von Heinrich Schütz "Also hat Gott die Welt
geliebt". Weitere, ebenfalls sechsstimmige Motetten mit denen der Chor brillierte,
waren "Machet die Tore weit..." von Andreas Hammerschmidt, "Und unserer
lieben Frauen..." von Max Reger. Abwechselnd waren die Solisten und Instrumentalisten
an der Reihe. Begleitet mit der "Königin der Instrumente" sang die Sopranistin
Gabriele Neumann im Altsolo "Liebes Herz, bedenke doch.." von Johann Sebastian
Bach und anschließend folgte die Sonate II in D-Dur mit Flöte (Tanja
Beitelstein),
Geige (Cord Brandes) und Orgel. Im Sopransolo, begleitet von der Orgel war von Johann
Sebastian Bach "Ich steh an deiner Krippen hier" zu hören, sowie von Georg
Philip Telemann "Meine Seele erhebt den Herrn" im Terzett für Sopran (Gabriele
Neumann), Alt (Sigrid Retzler-Kessler) und Bass (Ekkehard Grübl).
Einen weiteren weihnachtlichen Zauber
vermittelte die Sonate in E-Dur, Sizilano und Allegro mit Flöte und Orgel, von Johann
Sebastian Bach. Harmonisch fügte sich ins Programm die Kantate "Willkommen süßer
Bräutigam" von Vincent Lübeck mit zwei Sopranen (Gabriele Neumann und Sigrid
Retzler-Kessler) Violine, Flöte und Orgel ein. Wie eine aufgehende Blüte wirkte das vom
Chor interpretierte "Verbum caro factum est" - Das Wort ist Fleisch geworden...
- von Hans Leo Hassler und ebenfalls sechsstimmig vorgetragen wurde das "Kindelein
zart..." von Hermann Schroeder. Sogar siebenstimmig bewältigte der Chor ohne Mühe
das "Adeste fideles" von Carl Thiel. Einen weiteren Teil des Konzertes widmete
der Chor der Jungfrau Maria mit der vierstimmigen Motette "Ave Maria" von Jacob
Arcadelt und der fünfstimmigen Motette "Übers Gebirg Maria geht" von Johann
Eccard.
Bekannte Werke waren die vierstimmig
vorgetragenen Lieder: "Uns kommt ein Schiff gefahren..." von Adolf Lohmann,
"Es ist ein Ros entsprungen..." von Michael Praetorius", sowie das
Weihnachtslied "Zu Bethlehem geboren" von Franz Lehrndorfer. Ein ganz besonderer
Ohrenschmauss boten das fünfstimmige "Still, still, weil's Kindlein schlafen
will...". Ergreifendes Lauschen erreichte das Konzert mit der von Johann Reichardt
komponierten "Heiligen Nacht", dem nach einer ehrfurchtsvollen Stille der
absolute "Glanzpunkt" mit "O du fröhliche...", zunächst zwei
Strophen im fünfstimmigen Chor von Karl N. Schmid und schließlich zusammen mit den
Instrumentalisten und den Besuchern die letzte Strophe. Mit dieser Schlussinszenierung bot
sich eine überwältigenden Klangfülle und in dieses freudige Ereignis dieser geballten
musikalischen "Krönung" hinein erklangen noch die Glocken der Pfarrkirche.
Nicht nur dem Dirigenten selbst auch vielen der Zuhörer standen bei den
Beifallsbekundungen die Tränen in den Augen.
Hans Braun |