Religionsfreiheit und religiöse Toleranz - Diskriminierung und Verfolgung religiöser Minderheiten in islamischen Ländern
   

Zitate zur Religionsfreiheit
Zitate zur religiösen Toleranz
Menschenrechtsverständnis und Religionsfreiheit in islamischen Ländern
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  Zitate zur Religionsfreiheit

Jeder sollte Gott nach seinen eigenen Neigungen dienen und nicht durch Gewalt gezwungen werden.
Flavius Josephus ( 37/38-100 n.Chr.), jüdischer Historiker

Es ist ein Menschenrecht und ein Naturrecht, dass jeder anbeten kann, was er will.
Tertullian (Quintus Septimus Florens Tertullianus) (160-220), lateinischer Kirchenlehrer

Die Religion des einen kann dem anderen weder nützen noch schaden. Es liegt nicht im Wesen der Religion, die Religion zu erzwingen; nicht durch Gewalt, sondern freiwillig muss sie angenommen werden.
Es ist gottlos, in Glaubensfragen die Menschen ihrer Freiheit zu berauben; sie daran zu hindern, eine Gottheit zu wählen: kein Mensch, kein Gott legt Wert auf eine erzwungene Anbetung.
Sehet vielmehr zu, ob nicht auch das auf den Vorwurf der Gottlosigkeit hinausläuft, wenn man jemand die Freiheit der Religion nimmt und ihm die freie Wahl seiner Gottheit verbietet, so dass es mir nicht mehr freisteht, zu verehren, wen ich will, sondern gezwungen werde, den zu verehren, den ich nicht will. Niemand [auch Gott nicht] möchte doch wohl von jemand geehrt werden, der es nicht gerne tut.
Es ist doch Menschenrecht und gehört zur natürlichen Freiheit eines jeden, zu verehren, was seiner Überzeugung gemäß ist, und die Religion des einen kann dem andern weder schaden noch nützen. Es ist aber auch keine Religion, Religion erzwingen zu wollen; denn die Religion muss freiwillig, ohne Zwang angenommen werden. Opfer werden auch nur von dem freien Herzen verlangt.
Tertullian (Quintus Septimus Florens Tertullianus) (160-220), lateinischer Kirchenlehrer

Die erzwungene Religion ist keine Religion mehr: Auf Überzeugung und nicht auf Zwang gilt es zu setzen, der Glaube lässt sich nicht befehlen.
Laktanz (ca. 215-ca..270 n.Chr.), lateinischer Schriftsteller

Es ist eine abscheuliche Ketzerei, durch Gewalt, Schläge, Einkerkerung diejenigen an sich binden zu wollen, die man durch Vernunft nicht überzeugen konnte.
Athanasius (4. Jh.), Bischof von Alexandria in Ägypten

Eine Religion können wir nicht befehlen, weil sich niemand zwingen lässt, gegen seinen Willen zu glauben.
Cassidodorus (485-585), spätantiker römischer Staatsmann, Gelehrter und Schriftsteller [Leider wurde dieser Grundsatz dies in der Geschichte des Christentums nicht immer befolgt.]

Gott hat kein Gefallen am Blut und nicht vernunftgemäß, nicht „σὺν λόγω” zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung… Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann.
Manuel II. Palaeologos (1350-1425), byzantinischer Kaiser

Jeder dürfe der Religion anhängen, die ihm beliebe; jedoch noch andere Leute zu seiner Religion zu bekehren, dürfe er nur in der Weise versuchen, dass er seine Meinung freundlich und ohne Anmaßung auf Vernunftgründen aufbaue, nicht indem er die anderen Anschauungen mit Heftigkeit herabsetze.
Denn das ist eine ihrer ältesten Verfassungsbedingungen, dass keinem seine Religion Schaden bringen darf.

Thomas Morus (1478-1535), englischer Staatsmann und Humanist, Märtyrer unter Heinrich VIII.

Lass den Türken glauben und leben wie er will.
Predigen will ich's, sagen will ich's, schreiben will ich's; aber zwingen und dingen mit Gewalt will ich niemand; denn der Glaube will willig und ungenötigt sein und ohne Zwang angenommen werden.

Martin Luther (1483-1546), deutscher Augustinermönch, Reformator

Die politische Gesellschaft ist zu keinem anderen Zwecke gestiftet als dem, jedermanns Besitz an Gütern dieses Lebens zu sichern. Die Sorge für eines jeden Seele und für die himmlischen Güter, die dem Gemeinwesen weder zusteht noch ihm unterworfen werden kann, ist ganz jedem einzelnen überlassen.
John Locke (1632-1704), englischer Philosoph

Die Menschen sind in der Regel so beschaffen, dass ihnen nichts so unerträglich ist, als wenn Ansichten, die sie für wahr halten, als Verbrechen gelten und wenn ihnen das, was sie zur Frömmigkeit in ihrem Verhalten gegen Gott und die Menschen bewegt, als Missetat angerechnet wird.
Baruch de Spinoza (1632-1677), niederländischer Philosoph

Obwohl ich der römisch-katholischen Religion tief ergeben bin, kann ich nicht billigen, dass die Monarchen sich ein Kontrollrecht über das Gewissen ihrer Untertanen anmaßen und sie ihrer Religionsfreiheit berauben.
Wilhelm der Schweigsame (1553-1585), deutscher Adeliger, Graf von Nassau, Prinz von Oranien

In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden.
Friedrich II., der Große (1712-1786), preußischer König

Niemand soll dazu gezwungen werden, irgendeinen Gottesdienst zu besuchen oder Gotteshäuser und die Geistlichkeit zu unterstützen, noch soll jemand gezwungen, eingeschränkt, belästigt, noch leiblich oder an seinem Gute geschädigt werden oder sonst irgendwie wegen seines Glaubens oder seiner religiösen Anschauung leiden, sondern allen Menschen soll es freistehen, zu bekommen und durch Argumente zu unterstützen, was ihre religiöse Meinung ist, wodurch ihre bürgerlichen Rechte in keiner Weise verringert oder vergrößert werden sollen.
Thomas Jefferson (1743-1826), US-amerikanischer Politiekr, Präsident

Unbeschränkte Religionsfreiheit ist in meinen Augen ein so geheiligtes Recht, dass das Wort Duldsamkeit, als Ausdruck hierfür gebraucht, mir gewissermaßen selbst tyrannisch erscheint.
Honoré Gabriel de Mirabeau (1749-1791), französischer Politiker, Physiokrat, Schriftsteller und Publizist

Wir wollen, dass die Äußerung religiöser Überzeugungen geschützt wird, geschützt als das Recht aller und infolgedessen ohne Ansehen des Glaubens. Wir wollen nicht, dass ein besonderer Glaube geschützt wird, und wir wollen auch nicht, dass generell diejenigen, die etwas glauben, unter Ausschluss derjenigen, die nichts glauben, geschützt werden.
Alexandre Vinet (1767-1847), Schweizer evangelischer Theologe und Literaturhistoriker

Im allgemeinen betrachtet die Kirche die Annahme der Religion als Sache der inneren Selbstbestimmung und bestreitet sowohl der staatlichen wie der kirchlichen Gewalt das Recht, auf sie durch äußeren Zang einzuwirken.
Ich will, dass dem Ungläubigen gestattet sei, seine Kinder im Unglauben zu erziehen; es muss aber auch dem strengsten Katholiken gestattet sein, seine Kinder katholisch zu erziehen.
Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877), deutscher katholischer Theologe, Bischof und Politiker, "Arbeiterbischof"

Diejenige Religion ist die beste, die ihre Gläubigen am besten handeln lässt, also am humansten, am mitleidvollsten. Wer die eigene Religion so versteht, wird es nicht schaffen, Andersdenkende zu verfolgen.
Gotthold Ephraim Lessing (1824-1900), deutscher Schriftsteller, Kritiker und Philosoph der Aufklärung

Typisch für den modernen Ton ist ein gewisser Effekt der Duldsamkeit, der auf Furchtsamtkeit hinausläuft. Man sollte meinen, Religionsfreiheit bedeute, dass jeder frei ist, über Religion zu diskutieren. In der Praxis bedeutet sie, dass kaum jemand Religion erwähnen darf.
Gilbert Keith Chesterton (1874-1936), englischer Schriftsteller

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Katholiken holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Katholik. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.
Martin Niemölller (1892-1984), deutscher evangelischer Theologe, in der NS-Zeit Mitglied der Bekennenden Kirche

Die katholische Kirche zum Beispiel hat kein Recht, uns ihre Sittennormen aufzudrängen. Ich diskutiere sie hier nicht; ihr gebührt die Freiheit, ihre Anhänger so aufzuziehen, wie sie das für richtig hält. Wer aber anders leben will, lebe anders. Sie hat nicht über uns andere zu entscheiden.
Kurt Tucholsky (1890-1935), deutscher Journalist und Schriftsteller

Nicht nur die Etablierung der Religionsfreiheit war von religiösem Enthusiasmus getrieben, sondern auch die Artikulation der Menschenrechte im 18. Jahrhundert oder der Kampf um die Abschaffung der Sklaverei… gehen keineswegs ausschließlich auf aufklärerische Impulse zurück.
Hans Jonas (1903-1993), deutscher Philosoph, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels

Das Recht auf Religionsfreiheit, oder das Recht dem zu folgen, was das eigene Gewissen auf der Suche nach Wahrheit gebietet, öffentlich seinen Glauben in freier Zugehörigkeit zu einer organisierten religiösen Gemeinschaft zu bekennen, - das stellt so etwas wie die Existenzgrundlage für die anderen fundamentalen Freiheiten des Menschen dar.
Franz König (1905-), österreichischer Theologe und Religionswissenschaftler, Kardinal

Cuius regio, eius religio gilt auch für die heutigen Reiche totalitärer Herrschaft. Die Legitimität, sich eine persönliche Moral bilden zu dürfen, ist historisch wohl sehr viel jünger. Sie ist ein hart errungenes Zugeständnis an die Toleranz.
Alexander Mitscherlich (1908-1982), deutscher Arzt, Psychoanalytiker, Hochschullehrer und Schriftsteller

Eine Religion, die heute den Anspruch erhebt, friedliebend zu sein, muss das Menschenrecht auf freie Religionsausübung vorbehaltlos anerkennen und einfordern.
Friedrich Karl Wetter (1928-), deutscher katholischer Theologe, Kardinal

Mit der gleichen Entschiedenheit, mit der alle Formen von Fanatismus und religiösem Fundamentalismus verurteilt werden, muss auch allen Formen von Religionsfeindlichkeit, die die öffentliche Rolle der Gläubigen im zivilen und politischen Leben begrenzen, entgegengetreten werden.
Die Achtung wesentlicher Elemente der Menschenwürde wie das Recht auf Leben und das Recht auf die Religionsfreiheit ist eine Bedingung für die moralische Legitimität jeder gesellschaftlichen und rechtlichen Vorschrift.
Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) (1927- ), deutscher katholischer Theologe, Hochschullehrer, Papst

Aus Überzeugung tritt die katholische Kirche für die Religionsfreiheit der Muslime in Deutschland ein. Natürlich setzen wir uns auch für die Religionsfreiheit von Christen in islamischen Staaten ein. In solchen Ländern sind Christen oft Benachteiligungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Dort geht es in der Praxis allenfalls um den Bau kleiner Kirchen, sehr wohl jedoch um die Möglichkeit, die eigene Religion ohne Angst vor Verfolgung praktizieren zu können. Wir machen unser Verhalten nicht abhängig von Entscheidungen und Verboten in anderen Ländern. Ich meine jedoch, es würde die Akzeptanz von Muslimen in Deutschland fördern, wenn sie sich auch deutlich für Glaubensfreiheit der Christen in ihren Herkunftsländern aussprechen würden.
Georg Sterzinsky (1936-2011), deutscher katholischer Theologe, Erzbischof von Berlin

Es ist nicht damit getan, dass wir mit ein paar islamischen Intellektuellen reden. Wir werden auch an der Frage der Gegenseitigkeit nicht vorbeikommen. In Rom steht eine riesige Moschee, in Deutschland ist es weit gehend auch kein Problem mehr, eine Moschee zu bauen. Wenn ich aber in Saudi-Arabien einen Gottesdienst halten will, riskiere ich Gefängnis. Diese Frage ist vor allem für die Bischöfe in den islamischen Ländern ganz wichtig. Viele von ihnen wundern sich über uns; die Bischöfe der Türkei sagen, was seid ihr blauäugig, ihr wisst ja gar nicht, in welch schwieriger Situation wir sind, was uns alles verboten ist, wie wir bedrängt werden. Da muss ganz konkret auch Religionsfreiheit auf Gegenseitigkeit getestet werden.
Karl Lehmann (1936-2018), deutscher katholischer Theologe, Kardinal, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Wer sich auf die Religionsfreiheit beruft, muss auch die anderen Aussagen unserer Verfassung akzeptieren. Die Gleichbehandlung von Mann und Frau gehört ebenso dazu wie die Freiheit, die Religion zu wechseln. Keine Religion kann Gewalt rechtfertigen.
Wolfgang Huber (1942- ), deutscher evangelischer Theologe, Bischof, Ratsvorsitzender der EKD 2003-2009)

die Freiheit zur Religion ebenso wie eine Freiheit von der Religion.
Ernst-Wolfgang Böckenförde (1930- ), deutscher Staats- und Verwaltungsrechtler sowie Rechtsphilosoph, Bundesverfassungsrichter

Mission, Konversion und das Verständnis von Religionsfreiheit gehören zu den größten Stolpersteinen, die den Weg zu einem Dialog zwischen Christen und Muslimen erschweren.
Rita Breuer (1963- ), deutsche Islamwissenschaftlerin und Volkswirtin

In den Kreuzfahrerstaaten konnten sie [Muslime] frei und ungehindert ihrer Religion nachgehen, Land besitzen, Moscheen und Schulen bauen und nach Mekka pilgern.
Michael Hesemann (1964- ), deutscher Historiker
vgl.
Die Ländereien, Dörfer und Höfe blieben in der Hand der Muslime. Bei vielen von diesen Männern kamen Zweifel auf, als sie ihr Los mit denen ihre Brüder in den muslimischen Gebieten verglichen. Denn diese leiden unter der Ungerechtigkeit ihrer Glaubensbrüder, während die Franken [gemeint sind die Kreuzfahrer] sie als Gleiche behandeln.
Ibn Jubayr (1145-1217), arabischer Geograph und Reiseschriftsteller

Ist nicht die Religionsfreiheit in Gefahr, wenn eine Pfarrei oder ein christlicher Verein einen Arbeitnehmer nach der eigenen Glaubensüberzeugung aussuchen möchte, und dies vor dem Gesetz gleichheitswidrig ist?
Gudrun Kugler (1976- ), römisch-katholische Theologin und Jurist, Politikerin der ÖVP

Das Vatikanische Konzil erklärt, dass die menschliche Person das Recht auf religiöse Freiheit hat. Diese Freiheit besteht darin, dass alle Menschen frei sein müssen von jedem Zang sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlicher Gewalt, so dass in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wir, privat und öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen innerhalb der gebührenden Grenzen nach seinem Gewissen zu handeln.
II. Vatikanisches Konzil, Erklärung Dignitatis Humanae über die Religionsfreiheit, Das Recht der Person und der Gemeinschaft auf gesellschaftliche und bürgerliche Freiheit in religiösen Belangen

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, Artikel 18 

  Zitate zur religiösen Toleranz

Wer nur im Glaubensbruder seinen Bruder sieht, aus Moses' Lehren nicht die rechte Lehre zieht; willst du im Geiste dich zu ihr bekennen, so musst du alle Menschen Brüder nennen.
Talmud, Sifre Kedaschim 4

Der höchste Gott ist dem wohlgesonnen, der die Lehren aller Religionen achtet, alle Götter verehrt, der frei von Niedertracht ist und sich nicht zu Zorn hinreißen lässt.
Vishnudharmottara-Purana (4.Jh.), hinduistische Schrift

Ich verehre nicht, was ihr verehrt, auch ihr verehrt nicht, was ich verehre. Weder ich werde verehren, was ihr verehrt habt, noch werdet ihr verehren, was ich verehre. Ihr habt eure Religion, und ich habe meine Religion.
Koran, 109,6
Sure aus der Frühzeit des Islam, als Mohammed noch in Mekka war und die Muslime eine bedrängte Minderheit  -  mit seinem Sieg über die Mekkaner und dem militärischen Aufstieg des Islams wandelte sich der Ton der Koransuren: Hass auf Nicht-Muslime (349)

Ist es nicht Sünde, dass man die, die nicht getauft worden waren, wie Vieh erschlug? Für große Sünde halte ich es! Denn alle Menschen sind Gottes Geschöpfe, die Völker aller zweihundertsiebzig Sprachen sind in seiner Hand.
Wolfram von Eschenbach (um 1160/80-um/nach 1220), deutscher Dichter und Minnesänger

Es ist dem Juden jenes Wohlwollen entgegenzubringen, das wir im Heidenland den Christen gewährt zu sehen wünschen.
Gregor IX. (1145-1241), römischer Papst

Ein jeder behalte seine gute Weise und beziehe alle (anderen) Weisen darin ein und ergreife in seiner Weise alles Gute und alle Weisen… Denn Gott hat der Menschen Heil nicht an irgendeine besondere Weise gebunden.
Meister Eckhart (1260-1328), deutscher Dominikaner, Mystiker

Der, der du das Leben und das Sein spendest, bist es, der offensichtlich in den verschiedensten Religionen in unterschiedlicher Weise gesucht und mit vielfältigen Namen genannt wird, weil du in deinem wahren Sein allen verborgen und unaussprechlich bleibst… So verbirg dich nicht länger…, und alle werden einsehen, dass unter der Verschiedenheit der religiösen Bräuche nur eine Religion besteht.
Nikolaus von Kues (1401-1464), deutscher Theologe und Philosoph

Dein Name werde geheiligt - kann Gottes Name mehr entheiligt werden als durch gegenseitigen Krieg?
Erasmus von Rotterdam (Gerhard Gerhards) (1469-1536), holländischer Theologe, Philologe und Humanist

Wenn es im Himmel viele Wohnungen gibt, so gibt es auch viele Wege, um dorthin zu gelangen.
Theresia von Avila (1515-1582), spanische Mystikerin, reformierte den Karmeliterorden, Heilige

Gleich wie die mancherlei Blumen aller in der Erden stehen und wachsen alle nebeneinander; keine beißt sich mit der anderen um die Farben, Geruch und Schmuck. Sie lassen die Erde und Sonne, sowohl Regen und Wind, auch Hitze und Kälte mit sich machen, was sie wollen. Sie aber wachsen eine jede in ihrer Essenz und Eigenschaft. Also ist's auch mit den Kindern Gottes. Sie haben mancherlei Gaben und Erkenntnis, aber alles aus seinem Geiste. Sie freuen sich nebeneinander der großen Wunder Gottes und danken dem Höchsten in seiner Weisheit. Was sollen sie lange um den zanken, in dem sie leben und sind, dessen Wesen sie selber sind?
Jakob Böhme (1575-1624), deutscher Philosoph, Theosoph und Mystiker

Ich glaube, dass sowohl in der Partei der Römisch-Katholischen als unter den Lutheranern, Reformierten, Mennoniten die Seelen zu dem höchsten Gipfel der Heiligung und Vereinigung mit Gott gelangen können.
Gerhard Tersteegen (1697-1769), deutscher protestantischer Schriftsteller

Zugegeben: die Geschichte ist voller Religionskriege. Aber bei Licht besehen, ist es nicht die Vielzahl der Religionen, die diese Kriege verursacht, sondern der Geist der Unduldsamkeit, der die erfüllt, die sich für die Anhänger der Staatsreligion halten, dieser Geist der Proselytenmacherei…, dieser Wahnwitz, dessen Fortschreiten nur als eine gänzliche Verblendung der menschlichen Vernunft angesehen werden kann.
Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu (1689-1755), französischer Schriftsteller und Staatsphilosoph

Nur eine Religion, die alle anderen duldet und so deren Wohlwollen würdig ist, kann aus der Menschheit ein Volk von Brüdern machen.
Die Duldung anderer, die in Religionssachen in uns abweichen, ist den Evangelien und dem gesamten Menschenverstand so gemäß, dass es ganz unverständlich zu sein scheint, wie Menschen so blind sein können, die Notwendigkeit und den Nutzen davon nicht einzusehen.
Voltaire (François Marie Arouet) (1694-1778), französischer Schriftsteller und Philosoph, Aufklärer

Glauben kann ein jeder von euch, was er will, aber einen anderen mit eurem Glauben zu kränken und ihm Unrecht zu tun, davor will ich euch bewahren.
Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), schweizerischer Pädagoge und Sozialreformer

Denn das Hauptelend der Intoleranz offenbart sich doch am meisten in den Uneinigkeiten der Christen selbst, und das ist was Trauriges.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1823), deutscher DIchter

Jede fremde Religionsausübung sei dir so heilig wie die eigene.
Jean Paul (Johann Paul Friedrich Richter) (1763-1825)

Die Demütigen, Sanften, Barmherzigen, Gerechten, Frommen und Andächtigen sind überall von einer Religion; und wenn der Tod die Maske weggenommen hat, werden sie einander kennen, obwohl die verschiedenen Kleidung, die sie hier tragen, sie zu Fremden macht.
William Penn (1644-1718), englischer Theologe und Jurist, Quäker, Gründer des Staates Pennylvania

Belästige niemanden seiner Religion wegen - achte die Ansichten anderer und verlange von ihnen, dass sie auch deine achten!
Tecumseh (1768-1813), politischer und militärischer Führer der nordamerikanischen Indianer vom Stamm der Shawnee

Lasst den andern glauben, was er will, aber fordert dafür auch von ihm, dass er dich nicht glauben lässt, was er glaubt. Diese Forderung ist gerecht und billig; aber ungerecht und verwerflich, verwerflicher noch als die Intoleranz des Gläubigen ist die Intoleranz des Aufgeklärten, welcher von den andern ohne Unterschied verlangt, dass sie zwar nicht so glauben, aber so denken, so frei und gescheut sein sollen, wie er selbst. Man muss auch gegen die Unfreiheit und Dummheit tolerant sein.
Ludwig Feuerbach (1804-1872), deutscher Philosoph und Anthropologe

Man braucht der Form nach mit dem religiösen Gefühl nicht genau überein zu stimmen, aber wenn es aufrichtig ist, muss man Respekt davor haben.
Vincent van Gogh (1853-1890),  niederländischer Maler

Seid friedfertig und lieb mit denen, die anders denken in Sachen der Religion. Denn unser Herr Jesus hat uns zum Frieden berufen. 'Selig sind die Friedfertigen', hat er in der Bergpredigt gesagt. In allem erweist euch als die Friedfertigen! Auch in den Glaubensunterschieden, die innerhalb des Christentums bestehen.
Albert Schweitzer (1875-1965), elsässischer evangelischer Theologe, Musiker, Arzt und Philosoph

So bete ich für einen Christen, dass er ein besserer Christ werde, für einen Moslem, dass er ein besserer Moslem werde. Ich bin überzeugt, dass Gott einst nach dem fragen wird und heute schon nach dem fragt, was wir sind, das heißt, was wir tun, nicht nach der Bezeichnung, die wir uns geben. Bei ihm ist Tun alles, Glauben ohne Tun nichts. Bei ihm ist Tun Glauben und Glauben Tun.
Gandhi, Mahatma (Mohandas Karamchand G.) (1869-1948), indischer Freiheitskämpfer, Verfechter des gewaltfreien Widerstandes

Ich wünsche nicht mein Haus mit Mauern zu umgeben und meine Fenster zu verrammeln. Die Kulturen aller Länder sollen mein Haus ungehindert durchwehen. Keine aber soll mich von meinem Mutterboden losreißen.
Daher kommt die Notwendigkeit der Toleranz, die nicht Gleichgültigkeit dem eigenen Glauben gegenüber bedeutet, sondern einfach eine intelligentere und reinere Liebe für denselben ist.
Toleranz gibt uns eine geistige Einstellung, die so weit von der Finsternis entfernt ist, wie der Nordpol vom Südpol. Das wahre Wissen um die Religion zerbricht die Barrieren zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen und erzeugt Toleranz. Wenn wir anderen Glaubensrichtungen gegenüber Toleranz üben, so erwächst uns daraus ein besseres Verständnis unserer eigenen.
Ehrfurcht vor anderen Glaubensbekenntnissen muss uns nicht blind machen für ihre Irrtümer. Auch vor den Mängeln unseres eigenen Glaubens müssen wir uns in acht nehmen, und doch dürfen wir ihm deswegen nicht den Rücken kehren sondern müssen sie zu überwinden suchen.
Gandhi, Mahatma (Mohandas Karamchand G.) (1869-1948), indischer Freiheitskämpfer, Verfechter des gewaltfreien Widerstandes

Immer mehr Leuten liegt etwas an religiöser Toleranz, so wie immer weniger etwas an der Religion liegt.
Alexander Chase (1926- ), US-amerikanischer Journalist

Europa ist dabei, sich völlig missbrauchen zu lassen im Namen der Toleranz und des Dialoges. Man erlebt eine langsame Infiltrierung der Strukturen ... Ich bin ebenso für eine Öffnung zum Fremden wie ich die Integration von Strömungen zurückweise, die die Demokratie ins Wanken bringen und universelle Werte in Frage stellen, um ein regressives und obskurantistisches Weltbild durchzusetzen, das vierzehn Jahrhunderte hinter der Zeit ist.
Henri Boulard (1931- ), ägyptisch-libanesischer-ungarischer Jesuit

Der Islam lehrt uns, diejenigen als Brüder zu behandeln, die wahre Muslime sind und an Allah glauben. Er lehrt uns, andere zu schlagen, ins Gefängnis zu werfen, zu töten…
Ruhollah Chomeini (1902-1989), iranischer Ayatollah, politischer und religiöser Führer der Islamischen Revolution von 1979 und danach bis zu seinem Tod iranisches Staatsoberhaupt

Ein Krieg im Namen der Religion ist ein Krieg gegen die Religion.
Bartholomaios I. (1940- ), ökumenischer Patriarch von Konstantinopel

Ein deutscher Nobelpreisträger hat den Vorschlag gemacht, eine Kirche in eine Moschee umzuwidmen, als Goodwill-Geste den Muslimen gegenüber. Bis jetzt warten wir vergeblich auf den Vorschlag eines islamischen Intellektuellen, eine Moschee in eine Kirche umzuwandeln, denn so eine Idee, öffentlich geäußert, könnte ihn sein Leben kosten.
Henryk M. Broder (1948- ), deutscher Journalist und Autor

Fromme Christen und Mohammedaner und Hindus und Buddhisten verehren Gott wohl ganz verschieden und jeder anders als ich, aber ihre Gottesverehrung bedeutet Würde für ihr Leben und Trost für ihre Leiden und Sinn für ihr Dasein und Mut für ihren Tod.
Kurt Wilhelm (1900–1965), deutscher Rabbiner

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.
Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten…den Schöpfer Himmels und der Erde.
II. Vatikanisches Konzil, Nostra Aetate

Ambivalentes Verhältnis des Islam zu Religionsfreiheit und religiösen Toleranz

Ihr müsst Juden oder Christen sein, dann seid ihr rechtgeleitet.
Koran Sure 2 Vers 135

Zwinget keinen zum Glauben, da ja die wahre Lehre von der falschen deutlich und klar zu unterscheiden ist
.
Koran, Sure 2,257

Wenn dein Herr wollte, würden alle zusammen, die auf der Erde sind, glauben. Und willst du die Menschen zwingen, gläubig zu werden?
Koran, Sure 10,99

Wenn sich jemand von euch von seiner Religion abbringen lässt und ungläubig wird, hat das nichts zu sagen. Gott wird zum Ersatz dafür Leute auf eure Seite bringen, die er liebt, und die ihn lieben, Leute die den Gläubigen gegenüber bescheiden sind, jedoch die Ungläubigen ihre Macht fühlen lassen
Koran, Sure 5,54


[Suren aus der Frühzeit des Islam, als Mohammed noch in Mekka war und die Muslime eine bedrängte Minderheit  -  mit seinem Sieg über die Mekkaner und dem militärischen Aufstieg des Islams wandelte sich de Ton der Koransuren und es wird zu Gewalt gegenüber "Ungläubigen" aufgerufen.]

Wenn die Heuchler und diejenigen, die in der Stadt Unruhe stiften, nicht aufhören, werden wir dich bestimmt veranlassen, gegen sie vorzugehen, und sie werden dann nur (noch) kurze Zeit in ihr deine Nachbarn sein. Ein Fluch wird auf ihnen liegen. Wo immer man sie zu fassen bekommt, wird man sie greifen und rücksichtslos umbringen.
Koran 33, 60-61

Wer seine Religion wechselt, den tötet.
Sammlung von Hadithen, die auf den transoxanischen Gelehrten Muḥammad ibn Ismāʿīl al-Buchārī zurückgeht.
 Noch immer gibt es in einigen islamischen Ländern die Todesstrafe auf Apostasie!


Der Islam ist die Religion der reinen Wesensart. Es ist verboten, irgendeine Art von Druck auf einen Menschen auszuüben oder seine Armut oder Unwissenheit auszunutzen, um ihn zu einer anderen Religion oder zum Atheismus zu bekehren.
Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, Art. 10

Stimmen der Toleranz aus der islamischen Mystik (Sufitradition)

Zur Kaaba treibt's die Gläubigen des Propheten, den Kirchenglocken folgt der Christ zum Beten. Kreuz, Rosenkranz und Kanzel will ich preisen, wo sie den Weg zu Gott und Wahrheit weisen.
Omar Chayyām (1048-1131), persischer Mathematiker, Astronom, Astrologe, Philosoph und Dichter

Mein Herz hat sich allen Formen geöffnet, es ist eine Weide für die Gazellen und ein Kloster christlicher Mönche, es ist ein Götzentempel und ist die Kaaba des Pilgers und die Tafeln der Thora und das Buch des Koran. Ich übe die Religion der Liebe aus, in welche Richtung ihre Karawane auch ziehen mögen, die Religion der Liebe wird meine Religion und meine Glaube sein.
Von wohl siebzig Religionen hör ich, die's auf Erden gibt; doch die wahre Religion ist die nur, dass der Mensch dich liebt.
Ibn Arabi (1165-1240), spanischer Sufi, verstorben in Damaskus

Feuerdiener und Brahman, Christ und Muselman bin ich, Du bist meine Zuversicht, sei nicht fern, o sei nicht fern! In Pagoden, in Moscheen und in Kirchen, mein Altar ist allein dein Angesicht; sei nicht fern, o sei nicht fern!
Dschelâleddin Rûmî (1207-1273), persischer Sufi-Mystiker, Gelehrter und Dichter

  Menschenrechtsverständnis und Religionsfreiheit in islamischen Ländern

Ähnlich wie die Dhimmis in der islamischen Geschichte ("Schutzbefohlene" - alle, die einen Unterwerfungsvertrag unterschrieben haben und mit eingeschränktem Rechtsstatus geduldet wurden - ursprünglich nur Juden, Christen und Sabäer, im Laufe der islamischen Expansion auch andere Religionsgemeinschaften wie Zoroastrier und Hindus), sind auch die christlichen Minderheiten in den heutigen islamischen Ländern Menschen zweiter Klasse für die die Menschenrechte nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 nur eingeschränkt gelten. In muslimischen Ländern wird diese kritisch gesehen, weil sie die kulturellen und religiösen Bedingungen in den islamischen Ländern nicht berücksichtige. Nach der 1990 beschlossenen Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam, ist die Scharia die alleinige Grundlage der Menschenrechte.

Vgl. auch Menschenrechte - wies sie der Islam versteht
http://www.ead.de/arbeitskreise/islam/arbeitshilfen/menschenrechte-wie-der-islam-sie-versteht.html oder

http://www.igfm.de/Gottes-Recht-versus-Menschen-Recht.484.0.htmlhttp://www.amnesty.de/umleitung/2002/deu05/010?lang=de%26mimetype%3dtext%2fhtml

Religionsfreiheit im Islam bedeutet die Freiheit der Muslime, ihren Glauben auszuüben und die Freiheit aller Menschen, den islamischen Glauben anzunehmen. Das Recht des Muslim, zu einer anderen Religion zu wechseln, ist nicht vorgesehen. Nicht-Muslime dürfen nur zum Islam übertreten. Es ist überhaupt nicht erlaubt, keiner Religion anzugehören.

Für den Abfall vom Glauben, für den Austritt aus der muslimischen Gemeinschaft (Apostasie) sieht das klassische islamische Recht die Todesstrafe vor. Das bekräftigen die Hadithe, also die gesammelten, verbürgten Aussagen von Religionsgründer Mohammed. (Hadith: „Tötet jeden, der seine Religion wechselt.“ Und: „“Wer sich von euch abwendet, der soll sterben.“)

Die Gewaltverse des Koran werden von manchen Muslimen leider wörtlich aufgefasst. Da die geistlichen Führern nicht bremsend eingreifen, kommt es zu den abscheulichen Verbrechen im Namen der Religion. ... Apostasie, also Abfall vom Glauben kann sein: Leugnen des göttlichen Ursprungs des Koran, das Leugnen der Prophetenschaft Mohammeds, das Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn Gottes.

Bekennende Konvertiten verlieren in einer traditionellen islamischen Gesellschaft ihren bisherigen Status. Sie finden kaum Arbeit oder Wohnung. Sie verlieren jeden Kontakt zur Familie, die ihnen oft nach dem Leben trachtet. Während man im Judentum und Christentum die Religion, ja Gott selbst kritisieren kann, ohne um Leben zu fürchten, kann ein Missverständnis im islamischen Raum zum Tod führen. Seit Monaten etwa steht im Westen ein Bestseller auf den Bücherlisten: Dan BrownsSakrileg“. Der Inhalt ist ziemlich antikatholisch, dem Vatikan werden üble Machenschaften bis hin zum Auftragsmord unterstellt. Dass Jesus nicht Gottes Sohn war, sondern ein den Lebensfreuden zugewandter Rabbi scheint ausgemacht. Doch bisher hat kein Katholik zur Waffe gegriffen, noch nicht einmal eine Drohung gibt es. Hier spüren wir den Unterschied zwischen einer gewaltbereiten Religion, und einer toleranten.

Quelle: http://www.verfolgte-christen.org/fileadmin/user_upload/pdf/Dossier_Was_heisst_Christenverfolgung.pdf

http://www.igfm.de/Der-Staat-foerdert-die-Diskriminierung-von-Christen.962.0.html

Die Lage der Christen in der Türkei

Offiziell gibt es heute in der Türkei weniger als 0.5 Prozent Christen. Per Gesetz gilt Religionsfreiheit, und die Trennung zwischen Religion und Staat besteht. "In der Türkei haben die religiösen Minderheiten mehr Rechte als in Europa”, behauptete der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor drei Jahren in einem Interview mit dem “Spiegel”. Dabei berief er sich auf den “Vertrag von Lausanne” von 1923. Damals wurden die Glaubensgemeinschaften der Griechen, Armenier und Juden staatlich anerkannt. Ihnen ist es erlaubt, ihre eigenen Schulen und Kirchen zu unterhalten. Die assyrischen, katholischen und protestantischen Türken haben es bedeutend schwerer. Im Südosten des Landes kämpfen die syrisch-orthodoxen Christen seit Monaten um die Rechtssicherheit des Klosters Mor Gabriel. Zurzeit leben nur noch etwa 3000 von ihnen in der Grenzregion zu Syrien; bis zu einer halben Million sollen es noch zu Anfang des letzten Jahrhunderts gewesen sein. Auf dem Gebiet der heutigen Türkei lebten zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu 20 % Christen....Die Situation der türkischen Christen, die nicht vertrieben wurden oder ins Ausland emigrierten, muss als äußerst kritisch beurteilt werden. Obwohl Artikel 24 der türkischen Verfassung Religionsfreiheit garantiert, gibt es massive Beeinträchtigungen. So wird die rechtliche Anerkennung nur bedingt gewährleistet. Privat darf ein Christ in der Türkei seine Religion meist frei ausüben. Er wird aber als Bürger zweiter Klasse behandelt. Im Berufsleben werden Christen benachteiligt, politische Ämter verwehrt. Kirchen haben keinen Rechtsstatus und sind daher immer wieder der Willkür der Behörden ausgesetzt. De facto existieren sie, juristisch werden sie jedoch nicht anerkannt. Die Renovierung alter Kirchen wird außerdem durch gesetzliche Spitzfindigkeiten erschwert und selbst Enteignungen von Kirchengütern sind nach wie vor Praxis. Christliche Glaubensgemeinschaften dürfen weder Gebäude besitzen noch Pfarrer oder Religionslehrer ausbilden. Prozessionen sind verboten und christliche Feste dürfen nicht in der Öffentlichkeit gefeiert werden. Die christliche Religion wird sozusagen ausgetrocknet und die oft gerühmte Glaubensfreiheit wird untergraben.
http://www.csi-de.de/_tuerkei_prekaere_lage_.php?nvd=1

Bekanntlich definiert die türkische Verfassung den Begriff der Minderheit religiös, anerkannte Minderheiten sind also lediglich Juden sowie griechische und armenische Christen. Ethnische Minderheiten wie die Kurden, nicht-sunnitische Muslime wie die Aleviten oder andere Schiiten sowie römisch-katholische oder evangelische Christen besitzen nicht den Status von Minderheiten. Umso wichtiger ist die Frage, wie es um die Rechte der anerkannten Minderheiten steht. Auch für diese ist das Leben in der Türkei nicht leicht. Nach 1974 wurde beispielsweise bedeutender Immobilienbesitz armenischer Stiftungen enteignet. Die Möglichkeit zum Besuch christlicher Schulen wird sehr restriktiv gehandhabt. Für christliche und jüdische Minderheiten bestehen Probleme in erster Linie bei der Ausbildung von Geistlichen, Besitz von Immobilien, Bau von Gebetsstätten und in ihrer Organisation selbst. Die Autorin zieht das Fazit, dass in der Türkei derzeit die individuelle Glaubens- und Bekenntnisfreiheit zwar gegeben sei, nicht aber Kultusfreiheit und Recht auf freie Religionsausübung. Gleichzeitig tragen die derzeit im Gebrauch befindlichen Schulbücher "viel zu einem insgesamt eher negativen Bild der türkischen Bevölkerung gegenüber christlichen und jüdischen Minderheiten bei
http://www.rezensionen.ch/buchbesprechungen/religionsfreiheit_tuerkei/3836413515.html

Maßgeblich zum Rückgang der Zahl der Christen in der Türkei trug der Genozid an den Armeniern 1915/16 bei dem das damals verbündete Deutsche Reich tatenlos zusah. Das Kultur- und Tourismusministerium der Türkei leugnet den von der UN und EU anerkannten Völkermord an den Armeniern, betont die damaligen armenischen Aufstände und spricht statt dessen von einem "Massenmorden der Armenier" und "von den Armeniern verwirklichten Massakern".
http://www.kultur.gov.tr/DE/Genel/BelgeGoster.aspx?48BD9BC89B9B89DAF88F742D0D71125156500F0569D9B897


Vgl. auch die Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Armeniern und
http://de.wikipedia.org/wiki/Leugnung_des_V%C3%B6lkermords_an_den_Armeniern

sowie http://www.dhimmi.com

Der staatliche Stundenplan sah zwei Stunden wöchentlich für muslimische Religionskunde vor. Auch in meiner Schule, obwohl nur Christen sie besuchten und der einzige Muslim der Religionslehrer war. 
Hatune Dogan (1970), syrisch-orthodoxe Klosterschwester und Leiterin der Hilfsorganisation Helfende Hände

hrend in Europa in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Moscheen z.B. mit türkischer oder saudischer Finanzierung gebaut werden durften, erlaubten die Türkei oder Saudi-Arabien nicht den Bau einer einzigen Kirche in ihrem Land.
Verschiedene Moscheen wurden hierzulande nach islamischen Eroberern benannt.
Wo bleiben praktische Schritte, die von gutem Willen und Bereitschaft zu religiöser Toleranz zeugen?

Die Lage der Christen in anderen islamischen Ländern

Allein schon durch den Eintrag "Christ" in einem Pass in Ägypten beginnt die Diskriminierung, sind die Christen bei den Ämtern bekannt.
Markus Rode (1962- ), Geschäftsführer der deutschen Niederlassung des überkonfessionellen, christlichen Hilfswerks Open Doors

Wir müssen ein Land schaffen, in dem die Menschen ungeniert stolz auf ihren Glauben sein können, wo sie das Gefühl haben, ihren Glauben nicht verstecken zu müssen. Wir müssen stolz auf das Christentum sein, nicht es herabstufen.
Sayeeda Hussain Warsi (), britische Politikerin der Conservative Party pakistanischer Herkunft

Unter den zahlreichen Gesetzen die seit 1977 zum Schutz des Islam erlassen wurden, ragt das Blasphemiegesetz in Pakistan besonders hervor. In Paragraph 295 schützt das Gesetz nur den Islam. Jede unliebsame Auseinandersetzung kann jetzt benutzt werden, um seinen Gesprächspartner das Kapitalverbrechen der Lästerung Allahs, des Koran oder des „Propheten“ Mohammed anzuhängen. Das Gesetz ist zu einem Instrument der Denunziation, der Verleumdung und als Mittel zur privaten Rache pervertiert. Christen, der Allahlästerung verdächtig, werden mit Al-Kaida Terroristen in gleiche Zellen gelegt. Die fanatischen Muslime können die mitgefangenen Christen quälen, ohne vom Wachpersonal gehindert zu werden.
Quelle: http://www.verfolgte-christen.org/fileadmin/user_upload/pdf/Dossier_Was_heisst_Christenverfolgung.pdf

Der von westlichen Medien naiv beschworene "arabische Frühling" hat für die koptische Minderheit in Ägypten keine Verbesserung gebracht. Die regierenden Muslimbrüder wollen die Scharia in die Gesetzgebung einführen, die Andersgläubige (und Nichtgläubige) massiv benachteiligen würde.
"Alle Jahre wieder" in der Weihnachtszeit werden Attentate auf koptische Kirchen verübt.
Radikale Salafisten wollen sowohl das Christentum als auch den Tourismus aus Ägypten vertreiben.

“In einer irakischen Stadt schickte ein Vater seine Tochter zur nahe gelegenen Apotheke, um Medizin für ihn zu kaufen. Doch seine Tochter kehrte nicht wieder zurück. Die 16-jährige trug keinen Schleier und war somit als Nicht-Muslima deutlich zu erkennen. Daher vermutet ihr Vater, dass sie von muslimischen Fanatikern entführt wurde, tot ist oder zur Prostitution oder Heirat mit einem Muslim gezwungen wurde. Der Vater lebt heute im Ausland und trägt eine schwere Last auf seinem Herzen. Er fühlt sich mitschuldig am Verschwinden seiner Tochter. Einheimische Mitarbeiter und Christen berichten, dass Vergewaltigungen und Entführungen von jungen Christinnen gängige Mittel sind, um sie zum Übertritt zum Islam zu zwingen”. (Zitat aus einem Opne-Doors-Sonderheft über den Irak). In einem Massenexodus haben Hunderttausende Christen das Land verlassen.

Im überwiegend islamischen Norden Nigerias hat die Terrorgruppe Boko Harem (Hausa für Bücher in Lateinschrift sind Sünde, Westliche Bildung verboten, Die moderne Erziehung ist Sünde), die in Verbindung mit den afghanischen Taliban steht, schon zahlreiche Attentate auf christliche Gemeinden verübt.

http://www.dhimmitude.org/archive/Rights-of-Non-Muslims.pdf

  Weitere Informationen zur Diskriminierung und Verfolgung von Christen weltweit


Weltverfolgungsindex von Open Doors (Länder mit signifikanten Verletzungen der Religonsfreiheit, darunter meist islamische und postkommunistische Länder)
https://www.opendoors.de/christenverfolgung/weltverfolgungsindex/weltverfolgungsindex-karte

Die Organisation "Kirche in Not" hat gerade ihren Bericht 2012 "Religionsfreiheit weltweit" veröffentlicht, ihr Sprecher Peter Sefton-Williams erklärte dazu, "dass in 131 der 196 untersuchten Länder die Mehrheit dem Christentum angehört, aber in keinem dieser 131 Länder enthielt das Gesetzeswerk Gesetze zur Beschränkung der Religionsfreiheit". Hingegen hätten von den 49 Ländern mit muslimischer Mehrheit 17 den Islam als Staatsreligion - mit unterschiedlichen Konsequenzen.

"Von zehn wegen ihres Glaubens verfolgten Menschen sind acht Christen", erklärt Elmar Kuhn, Generalsekretär der Organisation "Christian Solidarity International" (CSI) in Österreich, die gegen alle Verletzungen von Religionsfreiheit, ungeachtet der jeweiligen Religion, auftritt.
https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/mensch/494799_Den-Gedanken-ihre-Freiheit.html

Kürzlich titelte der Spiegel anlässlich des Grußwortes der Bundeskanzlerin auf der Herbst-Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Timmendorfer Strand: „Merkel beim Kirchenparlament: ‚Das Christentum ist die am meisten verfolgte Religion‘“. Viele Zeitungen und Kommentare waren empört. Und diese Empörung über Merkels Satz schien bei Etlichen größer zu sein, als über Christenverfolgung selbst. Ich hätte doch wenigstens Aussagen in den Medien erwartet wie: „Ja, Christenverfolgung ist weltweit stark verbreitet, es sterben viel zu viele Christen, aber man sollte doch auch …“ – So jedoch bekommt man den Eindruck, dass die Reaktion anders gewesen wäre, wenn sie eine andere Religion als das Christentum erwähnt hätte.
Ich kann vor allem die Argumentation nicht nachvollziehen, die oft zu hören war, dass eine solche Aussage nicht zulässig sei, da sie andere Religionen herabsetze oder sage, deren Verfolgung sei weniger schlimm. Wir sagen ständig, dass Frauen häufiger als Männer misshandelt werden. Damit heißen wir doch die Misshandlung von Männern nicht gut! Wer feststellt, dass jüdische Gräber überdurchschnittlich häufig geschändet werden, hält doch anderweitige Grabschändung nicht für gut oder weniger schlimm. Und Rankings gibt es beispielsweise für Demokratie, Pressefreiheit, oder für Korruption, Rasssismus, Frauenfeindlichkeit und deren Opfer, warum nicht für Religionsfreiheit und deren Opfer? In meinem Buch „Rassismus“ belege ich, dass die weltweit verbreitesten Arten des Rassismus die gegen Juden, Sinti und Roma und gegen Dunkelhäutige sind. Damit setze ich doch andere Opfer nicht herab. „Jeder Verfolgte leide – egal, welcher Religion er angehört“, sagte der Chef von „Human Rights Watch“ (HRW), Wenzel Michalski. Und in der WELT hieß es jüngst, die Bundesregierung solle sich für den Schutz aller bedrohten Minderheiten einsetzen. Aber genau das tut diese Bundesregierung mehr als fast alle anderen Regierungen der Welt! Bei der letzten Bundestagsdebatte saß ich auf der Ehrentribüne zwischen dankbaren Bahai, Aleviten, Sufis.
Religionsfreiheit und Christenverfolgung. Donnerstag 18. April 2013 von Prof. Dr. Thomas Schirrmacher
https://www.gemeindenetzwerk.de/?p=9323 


(Bildquelle: http://koptisch.wordpress.com/2011/03/12/religionsfreiheit-ist-keine-einbahnstrase/)

Religionsfreiheit ist keine Einbahnstraße -  Macht den Mund auf ! - weist auf die Menschenrechtsverletzungen hin und setzt Euch für die Opfer ein !

Akte von Intoleranz und Diskriminierung gegen das Christentum nehmen auch im säkularisierten Europa zu. Von Christianophobie spricht aber so gut wie keiner. Eine gute Dokumentation bietet die Website Observation on Intolerance and Discrimination against Christians in Europe
https://www.intoleranceagainstchristians.eu

  Links zu Menschenrechtsorganisationen und Hilfswerken

https://www.kirche-in-not.de/
https://acninternational.org
http://www.csi-de.de
http://www.csi-int.org

http://www.opendoors-de.org/
http://www.gfbv.de
http://www.amnesty-religion.de/


       

 
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