| Religionsfreiheit und religiöse Toleranz | |||||
Religionsfreiheit
Es ist doch Menschenrecht und gehört zur
natürlichen Freiheit eines jeden, zu verehren, was seiner Überzeugung gemäß
ist, und die Religion des einen kann dem andern weder schaden noch
nützen. Es ist aber auch keine Religion, Religion erzwingen zu wollen; denn
die Religion muss freiwillig, ohne Zwang angenommen werden. Opfer werden
auch nur von dem freien Herzen verlangt. Die erzwungene Religion ist keine Religion
mehr: Auf Überzeugung und nicht auf Zwang gilt es zu setzen, der Glaube
lässt sich nicht befehlen. Es ist eine abscheuliche Ketzerei, durch
Gewalt, Schläge, Einkerkerung diejenigen an sich binden zu wollen, die man
durch Vernunft nicht überzeugen konnte. Denn das ist eine
ihrer ältesten Verfassungsbedingungen, dass keinem seine Religion Schaden
bringen darf. Die politische Gesellschaft ist zu keinem
anderen Zwecke gestiftet als dem, jedermanns Besitz an Gütern dieses Lebens
zu sichern. Die Sorge für eines jeden Seele und für die himmlischen
Güter, die dem Gemeinwesen weder zusteht noch ihm unterworfen werden kann,
ist ganz jedem einzelnen überlassen. Die Menschen sind in der Regel so beschaffen,
dass ihnen nichts so unerträglich ist, als wenn Ansichten, die sie für
wahr halten, als Verbrechen gelten und wenn ihnen das, was sie zur
Frömmigkeit in ihrem Verhalten gegen Gott und die Menschen bewegt, als
Missetat angerechnet wird. In meinem Staate kann jeder nach seiner
Fasson selig werden. Diejenige
Religion ist die beste, die ihre Gläubigen am besten handeln lässt, also am
humansten, am mitleidvollsten. Wer die eigene Religion so versteht, wird es
nicht schaffen, Andersdenkende zu verfolgen. Wir wollen, dass die Äußerung
religiöser Überzeugungen geschützt wird, geschützt als das Recht aller
und infolgedessen ohne Ansehen des Glaubens. Wir wollen nicht, dass ein
besonderer Glaube geschützt wird, und wir wollen auch nicht, dass generell
diejenigen, die etwas glauben, unter Ausschluss derjenigen, die nichts
glauben, geschützt werden. Das Recht auf Religionsfreiheit,
oder das Recht dem zu folgen, was das eigene Gewissen auf der Suche nach
Wahrheit gebietet, öffentlich seinen Glauben in freier Zugehörigkeit zu
einer organisierten religiösen Gemeinschaft zu bekennen, - das stellt so
etwas wie die Existenzgrundlage für die anderen fundamentalen Freiheiten des
Menschen dar. Eine Religion, die heute den
Anspruch erhebt, friedliebend zu sein, muss das Menschenrecht auf freie
Religionsausübung vorbehaltlos anerkennen und einfordern. Jeder hat das Recht
auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die
Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie
die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in
Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung,
Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen. Religiöse Toleranz Wer nur im Glaubensbruder seinen
Bruder sieht, aus Moses' Lehren nicht die rechte Lehre zieht; willst du im
Geiste dich zu ihr bekennen, so musst du alle Menschen Brüder nennen. Ist es nicht Sünde, dass man
die, die nicht getauft worden waren, wie Vieh erschlug? Für große Sünde
halte ich es! Denn alle Menschen sind Gottes Geschöpfe, die Völker aller
zweihundertsiebzig Sprachen sind in seiner Hand. Ein jeder behalte seine gute
Weise und beziehe alle (anderen) Weisen darin ein und ergreife in seiner
Weise alles Gute und alle Weisen… Denn Gott hat der Menschen Heil nicht an
irgendeine besondere Weise gebunden. Der, der du das Leben und das Sein
spendest, bist es, der offensichtlich in den verschiedensten Religionen
in unterschiedlicher Weise gesucht und mit vielfältigen Namen genannt
wird, weil du in deinem wahren Sein allen verborgen und unaussprechlich
bleibst… So verbirg dich nicht länger…, und alle werden einsehen, dass
unter der Verschiedenheit der religiösen Bräuche nur eine Religion besteht. Dein Name werde geheiligt - kann
Gottes Name mehr entheiligt werden als durch gegenseitigen Krieg? Wenn es
im Himmel viele Wohnungen gibt, so gibt es auch viele Wege, um dorthin zu
gelangen. Gleich wie die mancherlei Blumen
aller in der Erden stehen und wachsen alle nebeneinander; keine beißt sich
mit der anderen um die Farben, Geruch und Schmuck. Sie lassen die Erde und
Sonne, sowohl Regen und Wind, auch Hitze und Kälte mit sich machen, was sie
wollen. Sie aber wachsen eine jede in ihrer Essenz und Eigenschaft. Also
ist's auch mit den Kindern Gottes. Sie haben mancherlei Gaben und
Erkenntnis, aber alles aus seinem Geiste. Sie freuen sich nebeneinander der
großen Wunder Gottes und danken dem Höchsten in seiner Weisheit. Was sollen
sie lange um den zanken, in dem sie leben und sind, dessen Wesen sie selber
sind? Ich
glaube, dass sowohl in der Partei der Römisch-Katholischen als unter den
Lutheranern, Reformierten, Mennoniten die Seelen zu dem höchsten Gipfel der
Heiligung und Vereinigung mit Gott gelangen können. Zugegeben: die Geschichte ist
voller Religionskriege. Aber bei Licht besehen, ist es nicht die Vielzahl
der Religionen, die diese Kriege verursacht, sondern der Geist der
Unduldsamkeit, der die erfüllt, die sich für die Anhänger der Staatsreligion
halten, dieser Geist der Proselytenmacherei…, dieser Wahnwitz, dessen
Fortschreiten nur als eine gänzliche Verblendung der menschlichen Vernunft
angesehen werden kann. Nur eine Religion, die alle anderen
duldet und so deren Wohlwollen würdig ist, kann aus der Menschheit ein Volk
von Brüdern machen. Glauben kann ein jeder von euch,
was er will, aber einen anderen mit eurem Glauben zu kränken und ihm Unrecht
zu tun, davor will ich euch bewahren. Denn das Hauptelend der
Intoleranz offenbart sich doch am meisten in den Uneinigkeiten der
Christen selbst, und das ist was Trauriges. Man braucht der Form nach mit dem
religiösen Gefühl nicht genau überein zu stimmen, aber wenn es aufrichtig
ist, muss man Respekt davor haben. Seid friedfertig und lieb mit
denen, die anders denken in Sachen der Religion. Denn unser Herr Jesus
hat uns zum Frieden berufen. 'Selig sind die Friedfertigen', hat er in der
Bergpredigt gesagt. In allem erweist euch als die Friedfertigen! Auch in den
Glaubensunterschieden, die innerhalb des Christentums bestehen. So bete ich für einen Christen,
dass er ein besserer Christ werde, für einen Moslem, dass er ein besserer
Moslem werde. Ich bin überzeugt, dass Gott einst nach dem fragen wird und
heute schon nach dem fragt, was wir sind, das heißt, was wir tun, nicht nach
der Bezeichnung, die wir uns geben. Bei ihm ist Tun alles, Glauben ohne Tun
nichts. Bei ihm ist Tun Glauben und Glauben Tun. Ich wünsche nicht mein Haus mit
Mauern zu umgeben und meine Fenster zu verrammeln. Die Kulturen aller Länder
sollen mein Haus ungehindert durchwehen. Keine aber soll mich von meinem
Mutterboden losreißen. Ein Krieg im Namen der Religion ist
ein Krieg gegen die Religion. Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. II. Vatikanisches Konzil, Nostra Aetate, Art. 2 Mit
Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott
anbeten…den Schöpfer Himmels und der Erde.
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