Religionsfreiheit und religiöse Toleranz
 

Religionsfreiheit

Es ist doch Menschenrecht und gehört zur natürlichen Freiheit eines jeden, zu verehren, was seiner Überzeugung gemäß ist, und die Religion des einen kann dem andern weder schaden noch nützen. Es ist aber auch keine Religion, Religion erzwingen zu wollen; denn die Religion muss freiwillig, ohne Zwang angenommen werden. Opfer werden auch nur von dem freien Herzen verlangt.
Tertullian (Quintus Septimus Florens Tertullianus) (160-220), lateinischer Kirchenlehrer

Die erzwungene Religion ist keine Religion mehr: Auf Überzeugung und nicht auf Zwang gilt es zu setzen, der Glaube lässt sich nicht befehlen.
Laktanz (ca. 215-ca..270 n.Chr.), lateinischer Schriftsteller

Es ist eine abscheuliche Ketzerei, durch Gewalt, Schläge, Einkerkerung diejenigen an sich binden zu wollen, die man durch Vernunft nicht überzeugen konnte.
Athanasius (4. Jh.), Bischof von Alexandria in Ägypten

Denn das ist eine ihrer ältesten Verfassungsbedingungen, dass keinem seine Religion Schaden bringen darf.
Thomas Morus (1478-1535), englischer Staatsmann und Humanist, Märtyrer unter Heinrich VIII.

Die politische Gesellschaft ist zu keinem anderen Zwecke gestiftet als dem, jedermanns Besitz an Gütern dieses Lebens zu sichern. Die Sorge für eines jeden Seele und für die himmlischen Güter, die dem Gemeinwesen weder zusteht noch ihm unterworfen werden kann, ist ganz jedem einzelnen überlassen.
John Locke (1632-1704), englischer Philosoph

Die Menschen sind in der Regel so beschaffen, dass ihnen nichts so unerträglich ist, als wenn Ansichten, die sie für wahr halten, als Verbrechen gelten und wenn ihnen das, was sie zur Frömmigkeit in ihrem Verhalten gegen Gott und die Menschen bewegt, als Missetat angerechnet wird.
Baruch de Spinoza (1632-1677), niederländischer Philosoph

In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden.
Friedrich II., der Große (1712-1786), preußischer König

Diejenige Religion ist die beste, die ihre Gläubigen am besten handeln lässt, also am humansten, am mitleidvollsten. Wer die eigene Religion so versteht, wird es nicht schaffen, Andersdenkende zu verfolgen.
Gotthold Ephraim Lessing (1824-1900), deutscher Schriftsteller, Kritiker und Philosoph der Aufklärung

Wir wollen, dass die Äußerung religiöser Überzeugungen geschützt wird, geschützt als das Recht aller und infolgedessen ohne Ansehen des Glaubens. Wir wollen nicht, dass ein besonderer Glaube geschützt wird, und wir wollen auch nicht, dass generell diejenigen, die etwas glauben, unter Ausschluss derjenigen, die nichts glauben, geschützt werden.
Alexandre Vinet (1767-1847), Schweizer evangelischer Theologe und Literaturhistoriker

Das Recht auf Religionsfreiheit, oder das Recht dem zu folgen, was das eigene Gewissen auf der Suche nach Wahrheit gebietet, öffentlich seinen Glauben in freier Zugehörigkeit zu einer organisierten religiösen Gemeinschaft zu bekennen, - das stellt so etwas wie die Existenzgrundlage für die anderen fundamentalen Freiheiten des Menschen dar.
Franz König (1905-), österreichischer Theologe und Religionswissenschaftler, Kardinal

Eine Religion, die heute den Anspruch erhebt, friedliebend zu sein, muss das Menschenrecht auf freie Religionsausübung vorbehaltlos anerkennen und einfordern.
Friedrich Karl Wetter (1928-), deutscher katholischer Theologe, Kardinal

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, Artikel 18
 

Religiöse Toleranz

Wer nur im Glaubensbruder seinen Bruder sieht, aus Moses' Lehren nicht die rechte Lehre zieht; willst du im Geiste dich zu ihr bekennen, so musst du alle Menschen Brüder nennen.
Talmud, Sifre Kedaschim 4

Ist es nicht Sünde, dass man die, die nicht getauft worden waren, wie Vieh erschlug? Für große Sünde halte ich es! Denn alle Menschen sind Gottes Geschöpfe, die Völker aller zweihundertsiebzig Sprachen sind in seiner Hand.
Wolfram von Eschenbach (um 1160/80-um/nach 1220), deutscher Dichter und Minnesänger

Ein jeder behalte seine gute Weise und beziehe alle (anderen) Weisen darin ein und ergreife in seiner Weise alles Gute und alle Weisen… Denn Gott hat der Menschen Heil nicht an irgendeine besondere Weise gebunden.
Meister Eckhart (1260-1328), deutscher Dominikaner, Mystiker

Der, der du das Leben und das Sein spendest, bist es, der offensichtlich in den verschiedensten Religionen in unterschiedlicher Weise gesucht und mit vielfältigen Namen genannt wird, weil du in deinem wahren Sein allen verborgen und unaussprechlich bleibst… So verbirg dich nicht länger…, und alle werden einsehen, dass unter der Verschiedenheit der religiösen Bräuche nur eine Religion besteht.
Nikolaus von Kues (1401-1464), deutscher Theologe und Philosoph

Dein Name werde geheiligt - kann Gottes Name mehr entheiligt werden als durch gegenseitigen Krieg?
Erasmus von Rotterdam (Gerhard Gerhards) (1469-1536), holländischer Theologe, Philologe und Humanist

Wenn es im Himmel viele Wohnungen gibt, so gibt es auch viele Wege, um dorthin zu gelangen.
Theresia von Avila (1515-1582), spanische Mystikerin, reformierte den Karmeliterorden, Heilige

Gleich wie die mancherlei Blumen aller in der Erden stehen und wachsen alle nebeneinander; keine beißt sich mit der anderen um die Farben, Geruch und Schmuck. Sie lassen die Erde und Sonne, sowohl Regen und Wind, auch Hitze und Kälte mit sich machen, was sie wollen. Sie aber wachsen eine jede in ihrer Essenz und Eigenschaft. Also ist's auch mit den Kindern Gottes. Sie haben mancherlei Gaben und Erkenntnis, aber alles aus seinem Geiste. Sie freuen sich nebeneinander der großen Wunder Gottes und danken dem Höchsten in seiner Weisheit. Was sollen sie lange um den zanken, in dem sie leben und sind, dessen Wesen sie selber sind?
Jakob Böhme (1575-1624), deutscher Philosoph, Theosoph und Mystiker

Ich glaube, dass sowohl in der Partei der Römisch-Katholischen als unter den Lutheranern, Reformierten, Mennoniten die Seelen zu dem höchsten Gipfel der Heiligung und Vereinigung mit Gott gelangen können.
Gerhard Tersteegen (1697-1769), deutscher protestantischer Schriftsteller

Zugegeben: die Geschichte ist voller Religionskriege. Aber bei Licht besehen, ist es nicht die Vielzahl der Religionen, die diese Kriege verursacht, sondern der Geist der Unduldsamkeit, der die erfüllt, die sich für die Anhänger der Staatsreligion halten, dieser Geist der Proselytenmacherei…, dieser Wahnwitz, dessen Fortschreiten nur als eine gänzliche Verblendung der menschlichen Vernunft angesehen werden kann.
Charles de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu (1689-1755), französischer Schriftsteller und Staatsphilosoph

Nur eine Religion, die alle anderen duldet und so deren Wohlwollen würdig ist, kann aus der Menschheit ein Volk von Brüdern machen.
Voltaire (François Marie Arouet) (1694-1778), französischer Schriftsteller und Philosoph, Aufklärer

Glauben kann ein jeder von euch, was er will, aber einen anderen mit eurem Glauben zu kränken und ihm Unrecht zu tun, davor will ich euch bewahren.
Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827), schweizerischer Pädagoge und Sozialreformer

Denn das Hauptelend der Intoleranz offenbart sich doch am meisten in den Uneinigkeiten der Christen selbst, und das ist was Trauriges.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1823), deutscher DIchter

Man braucht der Form nach mit dem religiösen Gefühl nicht genau überein zu stimmen, aber wenn es aufrichtig ist, muss man Respekt davor haben.
Vincent van Gogh (1853-1890),  niederländischer Maler

Seid friedfertig und lieb mit denen, die anders denken in Sachen der Religion. Denn unser Herr Jesus hat uns zum Frieden berufen. 'Selig sind die Friedfertigen', hat er in der Bergpredigt gesagt. In allem erweist euch als die Friedfertigen! Auch in den Glaubensunterschieden, die innerhalb des Christentums bestehen.
Albert Schweitzer (1875-1965), elsässischer evangelischer Theologe, Musiker, Arzt und Philosoph

So bete ich für einen Christen, dass er ein besserer Christ werde, für einen Moslem, dass er ein besserer Moslem werde. Ich bin überzeugt, dass Gott einst nach dem fragen wird und heute schon nach dem fragt, was wir sind, das heißt, was wir tun, nicht nach der Bezeichnung, die wir uns geben. Bei ihm ist Tun alles, Glauben ohne Tun nichts. Bei ihm ist Tun Glauben und Glauben Tun.
Gandhi, Mahatma (Mohandas Karamchand G.) (1869-1948), indischer Freiheitskämpfer, Verfechter des gewaltfreien Widerstandes

Ich wünsche nicht mein Haus mit Mauern zu umgeben und meine Fenster zu verrammeln. Die Kulturen aller Länder sollen mein Haus ungehindert durchwehen. Keine aber soll mich von meinem Mutterboden losreißen.
Gandhi, Mahatma (Mohandas Karamchand G.) (1869-1948), indischer Freiheitskämpfer, Verfechter des gewaltfreien Widerstandes

Ein Krieg im Namen der Religion ist ein Krieg gegen die Religion.
Bartholomaios I. (1940-), ökumenischer Patriarch von Konstantinopel

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.
II. Vatikanisches Konzil, Nostra Aetate, Art. 2

Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten…den Schöpfer Himmels und der Erde.
II. Vatikanisches Konzil, Nostra Aetate


       

 
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