"Heiligste Dreifaltigkeit" Altdorf b.Nürnberg
Zur Geschichte der Kirche in Hagenhausen
 


In diesem Jahr [1972] feiert die katholische Kirchengemeinde Hagenhausen das 900jährige Bestehen ihres Gotteshauses "St. Maria Dolorosa". Es ist ein Anlass, einmal kurz zurückzuschauen, welche Opfer frühere Generationen auf sich nahmen, die wir heute meist als Selbstverständlichkeiten hinnehmen, um uns bewusst zu werden, welche Aufgabe wir haben: das Erbe der Vergangenheit zu bewahren, auch selbst bereit zu sein zu eigenem Opfer und dem zu danken, der über diese Kirche 900 Jahre lang seine Hand gehalten hat, unserem Vater im Himmel.

Unser Rückblick beginnt im 8. Jahrhundert, in dem das Dorf Hagenhausen gegründet wurde; denn es steht mit dem Königshof in Altdorf in Verbindung. Rund um diesen entstanden nämlich Ausbauhöfe, wie Pühlheim, Ludersheim, Adelheim und eben Hagenhausen. In dieser Zeit bekam der Ort auch seinen Namen, wohl nach dem Sippenältesten Hago des ursprünglichen Ausbauhofes: "Bei den Häusern des Hago."

Dann hört man jahrhundertelang nichts mehr von Hagenhausen. Das nächste Dokument, das erste schriftliche überhaupt, betrifft die Weihe der Kirche durch Bischof Gundekar 11. von Eichstätt, der von 1057-1075 im Amt war. Unbekannt ist aber die genaue Jahreszahl ebenso wie die Größe der Pfarrei- sicher wissen wir nur, dass Eismannsberg (bis 1582) und Häuselstein (bis 1885) nach Hagenhausen gepfarrt waren.

1319 wird ein Pfarrer, allerdings nicht namentlich, erwähnt, der den Pfarrer zu Offenhausen installieren musste.

Von 1127-1439 lebten in Hagenhausen verschiedene Adelsgeschlechter. So war im 13. Jahrhundert Jutta von Thann auf Burgthann in Hagenhausen begütert; sie schenkte nämlich dem St. Egidienkloster in Nürnberg drei Höfe, was König Heinrich VII. ausdrücklich bestätigte.

Nach den Thannern scheinen ab 1319 (bis 1420) die Schweppermänner ein Schloss Hagenhausen in Besitz gehabt zu haben, von dem allerdings nicht einmal mehr der Standort bekannt ist. Unter Papst Benedikt IX. war auch ein Heinrich Schweppermann um 1380 Pfarrer in Hagenhausen. Der Ort war mit Gericht und Zinsen dem herzogilchen Amt Pfaffenhofen (hier hatten die Schweppermänner
eine Burg) unterstellt; 1433 verkaufte Pfalzgraf Johann von Neumarkt Pfaffenhofen an das Kloster Kastl, behielt aber die Rechte über Hagenhausen. Einige Jahre vorher hatte dieser Pfalzgraf schon Hagenhausener Güter dem Kloster Gnadenberg gestiftet, das 1439 auch das Patronat über die Kirche erhielt.

Durch den bayerischen Erbfolgekrieg und die Markgrafenkriege erlitt das Dorf keinen Schaden, kam aber durch Eroberung 1504 zu Nürnberg. Anlässlich der Rückgabe an die Pfalz im Jahre 1523 hören wir mehr über den Ort: Der Kirchenschatz (d. h. die Kirche mit den dazugehörenden Grundstücken) gehörte zum Amt Heimburg, ebenso blieb die Einsetzung des Pfarrers bei der Pfalz. Ansonsten gehörten sowohl die Güter wie die Gerichtsbarkeit auf der Seite des Baches, wo die Kirche lag, zur Reichsstadt Nürnberg. Auf dieser Seite durfte kein Wirtshaus, Bad oder Schmiede gebaut, keine Garküche aufgeschlagen und weder Speis noch Trank fellgeboten werden. (Man bedenke die Auswirkungen bis auf die heutige Zeit!) Die Kramläden des Dorfes auf der anderen Bachseite unterstanden dem Amt Heimburg und zahlten ihre Steuern an die Pfalz.

Insbesondere gehörte aber die Mühle zum nürnbergischen Gebiet. Das bedeutete, dass die Bewohner der Mühle gleichzeitig mit der Stadt Nürnberg zum lutherischen Glauben übergehen mussten und nach Altdorf eingepfarrt waren. 1565 kam der Nürnberger Papiermüller Hans Silber nach Hagenhausen; doch schon 1541 wurde von der Stadt Nürnberg "dem Papiermüller Holz nach Hagenhausen gegeben".

Im übrigen Gebiet fand der neue Glaube zunächst Widerstand durch das Kloster Gnadenberg, 1556 wurden aber die Orte Hagenhausen und Gnadenberg lutherisch, 1580 mit der Pfalz calvinisch mit Ausnahme des Klosters. Erst 1626 führte der bayerische Kurfürst Maximilian den katholischen Glauben wieder ein (mit Ausnahme der Mühle). Pfarrer war damals Albert Hueber, der in diesen wirren Zeiten des Dreißigjährigen Krieges zugleich auch die Pfarreien Stöckelsberg, Rohrenstadt und Sindlbach mitversah. Er erlebte auch die Schrecknisse durch den Einfall der Schweden.

1635 wurden Kloster, Kirche und Schule in Gnadenberg abgebrannt; bei diesem Schwedeneinfall erlitt auch Hagenhausen ein schlimmes Schicksal: ein Teil der Kirche und das Pfarrhaus wurde zerstört, auch das Dorf auf der anderen Bachseite in Mitleidenschaft gezogen. 1650 wurde der Pfarrsitz von Hagenhausen nach Gnadenberg verlegt, zehn Jahre später das Langhaus an den fast unversehrten Turm wieder aufgebaut, wobei man an der Nordseite die Reste des Mauerwerkes verwendete. Nach Süden wurde die Kirche erweitert.

Unterhalb von Kirche und Pfarrhaus entstand eine Schule, jedenfalls schon vor 1739, in welchem Jahr erstmals erwähnt wurde, dass die Gemeinde dafür aufzukommen habe. Über das Einkommen des Lehrers, der gleichzeitig Mesner war, erfahren wir 1806: 2 Klafter Holz und 6 Fuhren Streu von der Gemeinde; 11/2 Tagwerk Wiesen und 1 Tagwerk Acker vom Mesnerdienst (Kirchliche Grundstücke). 1874 wurde ein neues Schulhaus gebaut, das 1888 zum Schul- und Mesnerhaus für 1800 Mark erneuert wurde.

1857 bestand der Ort aus 37 Häusern, einer Filialkirche (von Gnadenberg), einem Schulhaus, einer Bierwirtschaft, dreizehn Branntweinbrennereien, einer Ziegelhütte und einer Mahlmühle (seit 1843). Noch 1875 gehörte das Dorf zum Bezirksamt Velburg und zum Landgericht Kastl, 1880 fielen Hagenhausen und Eismannsberg an das Bezirksarnt Nürnberg. 1900 hatte Hagenhausen 232 Einwohner, 1925 254 Einwohner. Heute (eben in Hagenhausen, das im Zuge der Gebietsreform nach Altdorf eingegliedert werden wird, 489 Einwohner. Seit 1972 ist die Kirchengemeinde gemäß der politischen (Bezirks-)Grenze der Pfarrei Altdorf eingegliedert.

Heinz Stadelmann


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