Glaubst du noch oder denkst du schon??
   

Glaubst du noch oder denkst du schon?? - einige Denkimpulse für alle, die an den unversöhnlichen Gegensatz von Glauben und Denken/Wissen/Vernunft, Religion und Wissenschaft glauben ... wie etwa Karl-Heinz Deschner "Ich denke, also bin ich kein Christ." ... die von der Wissenschaftsfeindlichkeit des Christentums überzeugt sind, mit der Aufklärung das Zeitalter der Vernunft angebrochen sehen und in einer gott-losen Welt das zukünftige Heil zu finden glauben.*

1. Denken, Wissen, Vernunft und Wissenschaften werden positiv gesehen und nicht verteufelt ...

Die menschliche Vernunft und das ewige Gesetz sind die Richtschnur des Wirkens der Menschen.
Thomas von Aquin (1225-1274), scholastischer Theologe und Philosoph

Ein natürlicher Appetit lässt uns nicht nur nach dem Besitz von Wissen (scientia), sondern nach dem Besitz von Weisheit (sapientia) streben.
Nikolaus von Kues (1401-1464), deutscher Theologe und Philosoph

Offenbar ist der Mensch zum Denken bestimmt - das ist seine Würde und Größe, seine Pflicht aber ist es, richtig zu denken.
Blaise Pascal (1623-1662), französischer Philosoph, Mathematiker und Physiker

Sobald der Mensch seine Existenz nicht als selbstverständlich hinnimmt, sondern sie als etwas unergründlich geheimnisvolles betrachtet, beginnt das Denken.
Albert Schweitzer (1875-1965), elsässischer evangelischer Theologe, Musiker, Arzt und Philosoph

Der Glaube bedarf der gesamten Wahrheit, auch der Wahrheit der Naturwissenschaft.
Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955), französischer Jesuit, Theologe, Anthropologe, Geologe und Paläontologe

2. Denken, Wissen, Vernunft und Wissenschaften werden aber auch in ihrer Begrenztheit wahrgenommen ...

Unser Wissen ist Stückwerk.
NT, 1. Korinther 13,9

Die wenigsten Menschen denken wirklich; sie leben hauptsächlich aus ihren Vorstellungen [vielleicht könnte man heute auch sagen Vorurteilen, Vorerfahrungen, Vorprägungen etc.] und meinen, das wären Gedanken.
Albert der Große (1200-1280), deutscher Naturforscher, Philosoph und Theologe

Die letzte Schlussfolgerung der Vernunft ist, dass sie einsieht, dass es eine Unzahl von Dingen gibt, die ihr Fassungsvermögen übersteigen. Sie ist nur schwach, wenn sie nicht zu dieser Einsicht gelangt.
Blaise Pascal (1623-1662), französischer Philosoph, Mathematiker und Physiker

Die menschliche Wissenschaft gleicht einer Kugel, die ununterbrochen wächst. In dem Maß wie ihr Umfang zunimmt, wächst auch die Zahl ihrer Berührungspunkte mit dem Unbekannten.
Blaise Pascal (1623-1662), französischer Philosoph, Mathematiker und Physiker

Die Wissenschaft fängt eigentlich erst da an, interessant zu werden, wo sie aufhört.
Justus von Liebig (1803-1873), deutscher Chemiker, Begründer der Agrarchemie

Auch wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, wurden die Fragen des Lebens noch überhaupt nicht berührt. [Woher komme ich, was ist der Sinn meines Lebens, Wohin gehe ich?]
Ludwig Wittgenstein (1889-1951), österreichischer Philosoph

Je mehr man weiß, umso mehr erkennt man, wie wenig man weiß.
Edith Stein (1891-1942), deutsche Philosophin aus jüdischer Familie, Ordensschwester, Ermordung im KZ, heilig gesprochen

Das Denken kann sein letztes Warum nicht beantworten, weil auch diese Antwort wieder ein Warum gebären würde.
Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), deutscher evangelischer Theologe, von den Nazis im KZ ermordet

Es gibt Dinge, die die Vernunft nur im Licht der Gnade erfasst.
Simone Weil (1909-1943), französische Philosophin jüdischer Abstammung

3. Denken, Wissen, Vernunft und Wissenschaften sind nicht alles - und ersetzt nicht Liebe, Moral, Ethik, Tugenden, Weisheit  ...

Wissen ohne Liebe bläht auf, Liebe ohne Wissen gerät in Irrtum.
Bernhard von Clairvaux (1091-1153), französischer Zisterzienser-Abt und Theologe

Wie gefährlich ist die Wissenschaft, so groß sie auch sein mag, wenn sie ohne Liebe und Demut schafft.
Franz von Sales (1567-1622), französischer Theologe, Ordensgründer der Salesianerinnen, Bischof von Genf, Heiliger

Integrität ohne Wissen ist schwach und sinnlos, und Wissen ohne Integrität ist gefährlich und grauenhaft.
Samuel Johnson (1709-1784), englischer Schriftsteller

Wissen ist eine Sache, Tugend ist eine andere.
John Henry Newman (1801-1890), vom Anglikanismus zum Katholizismus konvertierter Pfarrer, Kardinal, Bildungsreformer

Die Grenzlinie ist nicht zwischen Wissenschaftlern und Nichtwissenschaftlern zu ziehen, sondern zwischen verantwortungsvollen, anständigen Menschen und allen übrigen. Die Wissenschaftler schweigen, weil sie entdeckt haben, dass die anständigen Menschen eine verschwindende Minderheit darstellen. Ihre einzige Alternative heißt: Verweigerung der Mitarbeit oder Sklaverei.
Albert Einstein (1879-1955), deutscher Physiker, Begründer der Relativitätstheorie, Nobelpreisträger

Wie viel besser wird es um die Welt bestellt sein, wenn Wissen alles und Mitleid nichts ist?
George Bernard Shaw (1856-1950), anglo-irischer Dramatiker

Das Wissen wächst, und die Weisheit wird immer weniger.
Romano Guardini (1885-1968), deutscher katholischer Theologe und Religionsphilosoph

Nun ist die Wissenschaft selber bei weitem nicht so frei von Aberglauben, wie sie vorgibt. Wo ihr Wissen nicht ausreicht, da produziert sich ihr Glaube, und das ist immer ein Aberglaube.
Bertolt Brecht (1898-1956), deutscher Schriftsteller und Regisseur

Es hat niemand das Recht, Ideen und Forschungsergebnisse mitzuteilen, deren vollen Vollzug er nicht verantworten möchte.
Reinhold Schneider (1903-1958), deutscher Schriftsteller

Die Physiker haben erfahren, was Sünde ist, und dieses Wissen wird sie nie mehr ganz verlassen.
Robert Oppenheimer (1904-1967), US-amerikanischer Physiker deutsch-jüdischer Abstammung, Vater und Verurteiler der Atombombe

Der Ausbau der Wissenschaft unter dem Vorwand, der Menschheit zu helfen, ist eine der größten Lügen unserer Zeit.
Erwin Chargaff (1905-2002), österreichisch-US-amerikanischer Biochemiker und Schriftsteller

Der Glaube an Wissenschaft hat viel von magischen und fetischistischen Zügen an sich. [vielleicht auch Züge einer Ersatzreligion]
Alexander Mitscherlich (1908-1982), deutscher Philosoph und Gesellschaftskritiker

Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension. Sie ist wie ein Messer. Wenn man sie einem Chirurgen und einem Mörder gibt, gebraucht es jeder auf seine Weise.
Wernher von Braun (1912-1977), deutscher Physiker, Raketen- und Raumfahrttechniker

Es gilt nicht mehr der Satz: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Heute muss es heißen: Sie tun nicht, was sie wissen.
Robert Jungk (1913-1994), deutscher Publizist, Journalist, Zukunftsforscher, Träger des alternativen Nobelpreises.

Wenn man vereinfachend sagen darf, die Geschichtsphase der Religion sei durch die Phase der Wissenschaft abgelöst, so wird die Wissenschaft selbst naiv in ihrem Gegensatz zur Religion stecken bleiben, solange sie nicht zu fragen vermag, inwiefern gerade in der überwundenen Religion Wahrheit war.
Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-), deutscher Physiker und Philosoph

Unsere Wissenschaft ist schrecklich geworden, unsere Forschung gefährlich, unsere Erkenntnis tödlich.
Friedrich Dürrenmatt (1921-1990), Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Maler

Nach der Aufklärung ist das Abendland wissenschaftlich zwar ein Riese geworden, aber seelisch und religiös ein Baby geblieben.
Franz Alt (1938-), deutscher Schriftsteller und Fernsehmoderator

Religion ist der szientistischen Weltanschauung entgegengesetzt, die davon ausgeht, unser einziger Zugang zur Wirklichkeit sei die Wissenschaft. Wenn ich einen Menschen liebe und ihn sehr gut kenne, dann ist mein Zugang zu ihm kein wissenschaftlicher. Im Gegenteil, ich würde diesen Menschen von mir entfremden, wenn ich anfinge, ihn zu psychologisieren und ihn mit wissenschaftlichen Kategorien zu betrachten. Es gibt in diesem Sinne eine Grenze der Wissenschaft. Gott kommt im innerweltlichen Bereich der Wissenschaft nicht vor, so wie der Projektor eines Films im Film nicht vorkommt. Insofern ist die Religion etwas, das der Wissenschaft Grenzen setzt.
Robert Spaemann (1927-), deutscher Philosoph

4.  Glauben und Denken, Religion und Wissenschaft schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich ...

Ich fühle mich nicht verpflichtet zu glauben, dass der gleiche Gott, der uns mit Verstand ausgestattet hat und Vernunft will das wir verzichten, sie zu nutzen.
Galileo Galilei (1564-1642), italienischer Mathematiker, Philosoph und Physiker

[dazu in Wikipedia "Landläufig wird die Politik der Amtskirche Galileo gegenüber als Ausdruck einer ihr angeblich inhärenten Wissenschafts- und Fortschrittsfeindlichkeit verstanden. Diese Sicht muss jedoch kritisch hinterfragt werden. Zu Galileis Zeit war die Hierarchie bereits gespalten. Die Überlegenheit der neuen Wissenschaften war für die Päpste und Kardinäle genauso offensichtlich wie für ihre Gegner... Die Tragik von Galileos Wirken liegt darin, dass er als ein zeitlebens tiefgläubiges Mitglied seiner Kirche den Versuch unternahm, eben diese Kirche vor einem verhängnisvollen Irrtum zu bewahren. Seine Intention war es nicht, die Kirche zu widerlegen oder zu spalten, sondern vielmehr war ihm an einer Reform der Weltsicht der Kirche gelegen."... Galiliei wurde von der Kirche rehabilitiert]

Wenn man alles der Vernunft unterwirft, wird unsere Religion nichts Geheimnisvolles und Übernatürliches mehr haben. Wenn man gegen die Prinzipien der Vernunft verstößt, wird unsere Religion absurd und lächerlich sein.
Blaise Pascal (1623-1662), französischer Philosoph, Mathematiker und Physiker

Man muss von dem Grundsatz ausgehen, dass Wissen und Glauben nicht dazu da sind, einander aufzuheben, sondern einander zu ergänzen.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1823), deutscher Dichter

Eine Religion, die sich vor der Wissenschaft fürchtet, schändet Gott und begeht Selbstmord.
Ralph Waldo Emerson (1803-1882), amerikanischer Essayist, Dichter und Philosoph

Auch der sachliche Wissenschaftler, der das Geheimnis des Seins in etwa “entzaubert”, muss kein Zweifler an Gott sein. Es ist eine irrige Auffassung in Laienkreisen, dass der Gelehrte, der mehr vom Sein weiß als andere, darum gottlos sein müsste. Ganz im Gegenteil: Unsere Arbeit bringt uns Gott näher. Sie erhöht unsere Ehrfurcht vor seiner gigantischen Macht, vor der unsere armseligen Werkzeuge - so titanenhaft sie uns auf Erden auch erscheinen mögen - jämmerlich versagen.
Ernest Rutherford (1871-1937), neuseeländischer Physiker, Begründer der Atomphysik, Chemienobelpreisträger

Die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. - Keiner der Erfinder des Atheismus war Naturwissenschaftler. Alle waren sie sehr mittelmäßige Philosophen.
Arthur Stanley Eddington (1882-1946), englischer Astronom

Mir fällt es ebenso schwer, einen Wissenschaftler zu verstehen, der nicht anerkennt, dass es hinter dem Universum noch eine übergeordnete Realität gibt, wie ich Schwierigkeiten damit habe, einen Theologen zu verstehen, der die wissenschaftlichen Fortschritte leugnet.
Werner von Braun (1912-1977), deutscher Physiker, Begründer der Raumfahrt

Die gelegentlich gehörte Meinung, dass wir im Zeitalter der Weltraumfahrt so viel über die Natur wissen, dass wir es nicht mehr nötig haben, an Gott zu glauben, ist durch nichts zu gerechtfertigen. Bis zum heutigen Tag hat die Naturwissenschaft mit jeder neuen Antwort wenigstens drei neue Fragen entdeckt. Nur ein erneuerter Glaube an Gott kann die Wandlung herbeiführen, die unsere Welt vor der Katastrophe retten kann. Wissenschaft und Religion sind dabei Geschwister, keine Gegensätze.
Werner von Braun (1912-1977), deutscher Physiker, Begründer der Raumfahrt

Leute, die wenig von Wissenschaft wissen, und Leute, die wenig von Religion verstehen, mögen sich einmal streiten, und die Zuschauer mögen denken, da streiten sich nun die Wissenschaft und der Glaube, während es sich in der Tat um einen Zusammenstoß zwischen zwei Arten von Unwissenheit handelt.
Robert Andrews Millikan (1968-1953), US-amerikanischer Physiker, Pysiknobelpreisträger

Ich glaube nicht, dass Wissenschaft und Religion notwendigerweise Gegensätze sind. Ich denke vielmehr, es gibt zwischen den beiden eine sehr enge Verbindung. Außerdem glaube ich: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, und Religion ohne Wissenschaft blind. Beide sind wichtig und sollten Hand in Hand arbeiten.
Albert Einstein (1879-1955), deutscher Physiker, Begründer der Relativitätstheorie, Physiknobelpreisträger

Eine Menschheit ohne Wissenschaft ist nicht mehr denkbar. Aber es ist auch keine Wissenschaft mehr möglich ohne eine Religion, die beseelt.
Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955), französischer Jesuit, Theologe, Anthropologe, Geologe und Paläontologe

Religion und Naturwissenschaft – sie schließen sich nicht aus, wie manche heutzutage glauben oder fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander. Wohl den unmittelbarsten Beweis für die Verträglichkeit von Religion und Naturwissenschaft auch bei gründlich-kritischer Betrachtung bildet die historische Tatsache, dass gerade die größten Naturforscher aller Zeiten, Männer wie Kepler, Newton, Leibniz von tiefer Religiosität durchdrungen waren.
Max Planck (1858-1947), deutscher Physiker, Physiknobelpreisträger

Die Wissenschaft heute, wird eine Quelle über sich suchen, oder sie wird untergehen.
Simone Weil (1909-1943), französische Philosophin jüdischer Abstammung

Wenn man die Vernunft verdächtigt, wird auch der Glaube verfälscht.
Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) (1927-), deutscher katholischer Theologe, Erzbischof von München und Freising, Kardinal, Papst


* Den Spruch "Glaubst du noch oder Denkst du schon?" gibt es auch im "Denkladen" neben vielen anderen käuflich zu erwerbenden Werbeträgern und "Büchern für das Diesseits"...

Zu den medialen Aktivitäten der Freidenker und Konfessionslosen sei auch auf den Artikel von Andreas Fincke von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen verwiesen.
 

***

Man kann auch als Mensch des 20. Jahrhunderts [und 21. Jahrhunderts] durchaus vernünftig an Gott, sogar an den christlichen Gott glauben. Und vielleicht heute wieder leichter als vor ein paar Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten. Denn nach so vielen Krisen hat sich erstaunlich vieles geklärt, und viele Schwierigkeiten gegen den Gottesglauben haben sich erledigt - auch wenn es manchen noch nicht bewusst ist: Man braucht heute nicht mehr gegen Gott zu sein, weil man für Geozentrik und Evolution, für Demokratie und Wissenschaft, für Liberalität oder Sozialismus ist.
Hans Küng (1928-), schweizerischer katholischer Theologe in: Existiert Gott? München 1981, S. 767

Dass der Christ seinen Glauben nicht im Sinne eines weltanschaulichen Rationalismus zu beweisen vermag, entbindet ihn nicht von der Pflicht, ihn in kritischer Rationalität verstehbar zu machen. Bei der Begegnung mit dem Christentum handelt es sich nicht um einen willkürlichen Entschluss, sondern um ein verstehendes Ja oder Nein. Wer Nein zum Christentum sagt, sollte wenigstens verstanden haben, wovon er Abschied nimmt.
Heinz Zahrnt (1915-2003), deutscher evangelischer Theologe, Schriftsteller und Publizist

 

 

 
  Home Übersicht Suche

© Dr. Martin Weimer, Altdorf b.Nürnberg